Frank Röbers, Vorstandsvorsitzender der Synaxon AG, hat letzte Woche über eine interessante Entscheidung berichtet. Die Synaxon AG ist eine der ersten Firmen, die genannt wird, wenn man sich nach Beispielen zu Enterprise 2.0-Strukturen in deutschen Unternehmen erkundigt. Bekannt geworden ist Synaxon durch einen Artikel in der brand eins, in dem die Einführung eines unternehmensweiten Wikis beschrieben wird. Dieses Wiki basiert auf MediaWiki, die Software hinter Wikipedia.
In dem Blogbeitrag berichtet Frank Röbers über die Überlegung, statt des internen Wikis zu nutzen auf Google Docs und Google Sites umzusteigen. Die Vorteile sind sehr überzeugend: Im Browser scheinen Anwendungen wie MS Word, MS Excel, und MS PowerPoint zu laufen, zumindest fühlt es sich als Anwender so an. Statt mit einer kruden Wiki-Syntax umgehen zu müssen, arbeitet man mit Google Docs wie mit klassischen Office-Anwendungen, die auf dem eigenen Rechner installiert sind. Und da das ganze webbasiert ist und bei Google liegt, kann man wunderbar gemeinschaftlich an Dokumenten arbeiten.
Aber dennoch hat sich die Synaxon gegen eine Migration des Firmenwikis hin zu Google Sites entschieden. Der Grund liegt in dem hohen Migrationsaufwand. Röbers hat es zwar nicht explizit benannt, aber ich gehe davon aus, dass dieser Aufwand auch in den sehr unterschiedlichen Konzepten des Daten- bzw. Wissensmanagements beider Systeme liegt. Google Sites bildet mit den Google Docs die klassische Datei-Metapher ab: Man editiert mit der Textverarbeitung eine Datei und speichert diese Datei unter einem Namen in Google Sites ab. Ganz wie die Dateien auf der heimischen Festplatte. Dem entgegen steht der Wiki-Ansatz, der erreichen will, dass Informationseinheiten (hier Dateien, dort Wiki-Seiten) miteinander in Beziehung gesetzt werden, in dem man diese auf eine sehr einfache Art und Weise miteinander verlinkt. Diese Verlinkung von Informationen ist die herausragende Eigenschaft des Wiki-Ansatzes, der es beispielsweise ermöglicht, beliebig viele, beliebig unterschiedliche Strukturierungen als Zugangsformen anzubieten. Von diesen Möglichkeiten ist Google noch weit entfernt.
Update: Mit meiner Einschätzung lag ich ziemlich daneben (siehe Kommentar von Frank Röbers). Ich habe Google Docs (aka »Text & Tabellen«) mit Google Sites gleichgesetzt, was nicht richtig ist.




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