KoopTech: Argumente für und gegen Wikis in Organisationen


Es ist an der Zeit KoopTech vorzustellen:

“KOOPERATIVE TECHNOLOGIEN IN ARBEIT, AUSBILDUNG UND ZIVILGESELLSCHAFT” (KOOPTECH)

Analyse für das Referat Innovations- und Technikanalyse (ITA) im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen eines Forschungsprojekts am Fachbereich Media der Hochschule Darmstadt.

Ich bin leider erst recht spät auf das Projekt aufmerksam geworden, dass laut Selbstauskunft eine Lauftzeit bis April 2008 hat(te). Christiane Schulzki-Haddouti hat sich des Themas Wikis in Unternehmen angenommen und in zwei Beiträgen gerade Argumente gegen und für Wikis in Unternehmen gesammelt. Auf die Gegenargumente will ich ein wenig eingehen, für die Pro-Argumente sind wohl müßig ;-)

  1. »Akzeptanzprobleme der Wiki-Syntax« - Ja. Alles was nicht Word ist, hat ein Akzeptanzproblem.
  2. »(Fehlende) Navigation für Kategorien und Hierarchien« - Ehrlich gesagt weiß ich nicht so ganz, was damit gemeint ist. Das Charmante am Wiki-Prinzip ist ja gerade, dass die Navigation von den Nutzern selbst via Wiki-Seiten angelegt wird.
  3. »Kategorisierung hat keinen Einfluss auf Suchergebnisse« - Jein. Das hängt von der gewählten Wiki-Engine ab.
  4. »Suchergebnisse zeigen nicht an, welche Unterthemen es zu einem Oberthema gibt« - Jein. Mir fehlt für dieses Problem auch ein wenig die praktische Relevanz.
  5. »Die Suche erstreckt sich nur auf Wiki-Inhalt« - Ja. Und da ist gut so.
  6. »Rechtemanagement ist kompliziert« - Ja. Ein ausgeklügeltes Rechtesystem halte ich in einem Wiki für kontraproduktiv. Wikis sind für so etwas nicht gemacht worden.
  7. »Nach etwa ein, zwei Jahren kann es für Unternehmen problematisch werden, wenn die entsprechende Pflege fehlt.« - Jein. Für welches System gilt das eigentlich nicht? Bei einem Wiki hieße das auch, dass seit ein, zwei Jahren niemand mehr das Ding genutzt hätte. Aber es ist immer gut ein Wiki-Team zu haben, dass sich ein wenig um das Hinterherfegen kümmert.
  8. »Mit der Zahl der Projekt-Wikis steigt die Unübersichtlichkeit« - Jein. Wenn es notwendig ist, wird im Wiki eine entsprechende Navigation entstehen.

Danke

für den Hinweis auf unser Projekt - es wurde übrigens noch um einen Monat verlängert. Befindet sich also in der Endphase. Zu den Gegenargumenten hatte ich hinzugefügt, dass diese von einem Vertreter des semantischen Netzes genannt wurden. Das Rechtemanagement ist vordergründig ein technisches, letztlich aber ein organisatorisches. Nicht jedes Unternehmen pflegt eine Wissenskultur, die einen offenen Wissensaustausch honoriert. Hier würden offene Wikis auch nicht funktionieren. Deshalb muss entweder organisatorisch-kulturell etwas geändert werden oder das Wiki passt sich an über ein differenziertes Rechtemanagement. Es lassen sich aber auch Fälle vorstellen, wo ein Wiki einen internet-öffentlichen und einen intranet-öffentlichen Teil hat...

Wikis passen nicht zu jeder Unternehmenskultur

Hi Christiane,

das mit dem Hinweis auf euer Projekt wurde einfach mal Zeit. Bleibt die Website denn auch nach Projektende noch für die Allgemeinheit zugänglich?

Nach meine (Berater-) Erfahrung ist tatsächlich die Unternehmens- und Kommunikationskultur die größte Klippe, die umschifft werden will. Darum ist die Einführung des Wiki-Prinzips auch immer und vor allem ein Organisationsentwicklungsprozess. Solche Veränderungsprozesse, die sehr anstrengend sein können, möchte man nicht ohne triftigen Grund anstoßen. Viel häufiger kommen Wikis darum auf Initiative von Projektgruppen, Abteilungen oder anderen Organisationseinheiten zu stande.

Suche über Wikigrenzen hinaus

Re: »Die Suche erstreckt sich nur auf Wiki-Inhalt«

Das liegt an der eingesetzten Software. Auf http://LinuxBasics.org haben wir z.B. die DokuWiki-Eigene Suchfunktion durch ht:dig (eine Suchmaschine) ersetzt. Der Index umfasst das Wiki, das Archiv der Mailingliste und statische HTML-Seiten. Man kann alles durchsuchen, oder den Bereich eingrenzen.

Das ist zwar mehr Arbeit, als "nur mal schne 'n Wiki draufklatschen", aber es hat ja keiner gesagt, dass es einfach zu installieren sein muss, oder ;)

Wiki-Suche mit Suchmaschinen

Hallo Stefan,

guter Hinweis. Wie geht ihr mit der Änderungshistorie um, wird die auch indexiert?

-Tim

Über das weitere Schicksal

ist noch nicht entschieden ;)
Das Blog und die Website sind nicht offiziell Bestandteil des Auftrags, sondern quasi Goodies bzw. Werkzeuge - genauso wie auch der del.icio.us-Account (kooptech) oder das öffentliche Wiki mit der Sammlung von Anwendungen (wiki.kooptech.de). Das sind Dinge, die ich gemacht habe, weil ich sie einfach ausprobieren wollte und Erfahrungen sammeln wollte - was dem Projekt auch zu Gute kommt. Ich weiß nicht, ob es fürchterlich Sinn macht, das über Jahre und Jahrzente vorzuhalten. Allerdings ist Howard Rheingold ja ein Vorbild - er hatte 2002 das Buch "Smart Mobs" geschrieben und die Website samt Blog leben immer noch - als Gruppenblog. Da das Thema "kooperative Technologien" uns sicherlich noch länger begleiten wird, könnte ich mir vorstellen, das vom Projekt abzukoppeln und erstmal privat weiterzuführen - als Gruppenblog. Tobias Eberwein z.B. ist kein Projektmitarbeiter, hat aber mal einen Beitrag für das Blog geschrieben, der in die damals geführte Diskussion um Qualität in den Medien gut passte. Auf diese Weise könnten auch andere, zum Beispiel Sie, auch Gastbeiträge schreiben. Smart Mobs ist auf diese Weise bis heute eine interessante Anlaufstelle geblieben. Und KoopTech ist inzwischen ganz gut aufgestellt bzw. erfährt durchaus Aufmerksamkeit, sodass das für den einen oder anderen schon interessant sein könnte.

Zukunft von KoopTech

Das hört sich doch gut an. Ich hätte es schade gefunden, wenn die Informationen einfach wieder verloren gingen. Die Chance wäre da, dass es sich zu etwas eigenständigem weiterentwickelt.

-Tim

ein paar Anmerkungen aus Sicht der SYNAXON AG

Hi,

hier mal ein paar Statements aus Sicht der SYNAXON AG, wir haben hier mittlerweile einige Wikis am laufen, sowohl intern als auch extern.

Ein paar Eckdaten finden sich hier:
http://blog.synaxon.de/index.php/2008/05/06/25000000-seitenaufrufe-im-wi...

1. Ist nur ein temporäres Problem, wenn die Nutzung des (der) Wiki(s) in Fleisch und Blut übergeht.
2. Tim hat alles gesagt
3. genau. ist auch nicht unbedingt nötig. Es reicht, wenn ausreichend kategorisiert wird und man die passende Kategorie auf der Übersichtsseite findet
4. Suchen bieten sich für das auffinden einzelner Seiten, nicht für komplexe Strukturen an. Wenn per Suche eine Übersichts- oder Portalseite zu bestimmten Themen finden läßt, reicht das idR aus.
5. wie Stefan in seinem Kommentar schon sagte, hängt das von der Suchengine ab. Wir nutzen eine blackbox aus Mountain View, die alle Wikis, Blogs und einige andere Inhalte crawlt und in den Suchergebnissen zusammenfliessen läßt
6. Rechtemanagement läßt sich im mediawiki mittlerweile darstellen, ist auch durchaus sinnvoll, wenn man große personengruppen aus unterschiedlichen bereichen drauflassen will.
Alternativ kann man auch mehrere wikis aufsetzen
7. wenn jeder die bereiche pflegt, für die er zustädnig ist und alle relevanten Informationen, Prozesse, Kontakte usw. abgebildet werden, stellt sich dieses Problem kaum
8. Aus unserer Erfahrung kann ich sagen, dass untereinander verlinkte Projektwikis durchaus gut funktionieren.

Re: ein paar Anmerkungen aus Sicht der SYNAXON AG

Hallo Alex,

vielen Dank für die Darstellung eurer Erfahrungen, die bei der Synaxon AG gemacht habt. Das dürfte auch für viele andere interessant sein.

-Tim

Pingback

[...] Wikis aus dem semantischen Lager. Die Diskussion findet, so weit ich das überblicken kann, bei Tim Schlotfeldt statt, wo Synaxon gerade eben ein paar Zahlen zur Wiki-Nutzung spendiert hat, bei Emplify und [...]

Dann will ich auch noch mal gerade...

Nochmal aus meiner SYNAXON Sicht:

>1. »Akzeptanzprobleme der Wiki-Syntax« -
Ja. Zumindest am Anfang... später ist man froh, wenn man sich z.B. nicht mit dem Word Inhaltsverzeichnis rumschlagen muss. Und nein - inzwischen funktioniert der FCK Editor für das MediaWiki auch recht gut (für einfach gehaltene Wikis).

>2. »(Fehlende) Navigation für Kategorien und Hierarchien«
verstehe ich auch nicht so ganz - die Navigation über Kategorien funktioniert bei uns sehr gut und ist auch hierarchisch (nämlich mit Unterkategorien) möglich.

>3. »Kategorisierung hat keinen Einfluss auf Suchergebnisse«
>4. »Suchergebnisse zeigen nicht an, welche Unterthemen es zu einem Oberthema gibt«
>5. »Die Suche erstreckt sich nur auf Wiki-Inhalt«
Alles nein, wir nutzen die Google Mini Suche, die relevante Ergebnisse liefert, allerdings auch nicht kostenlos ist.

>6. »Rechtemanagement ist kompliziert« -
Auch wieder Frage der Engine - bei uns ist eis im MediaWiki durch Zugriffsrechte auf bedingt abhängige Wikis gut gelöst. Für "geschlossene Bereiche" setzen wir eben einfach eine weitere Wiki Installation ein.

>7. »Nach etwa ein, zwei Jahren kann es für Unternehmen problematisch werden, wenn die entsprechende Pflege fehlt.«
Ein Wiki kann sich selbst pflegen, Inhalte die nicht gepflegt sind sind auch nicht interessant. Auch richtig, etwas Administration schadet nie.

>8. »Mit der Zahl der Projekt-Wikis steigt die Unübersichtlichkeit« - IBM setzt nach eigener Aussage weit über 10.000 Wikis ein - auch hier eine Frage der Suche und der Alternative. Dass man die vorhandene Information auch verarbeiten muss ist natürlich klar und allein das verbindet mehr Information auch mit weniger Übersichtlichkeit.

Wer eine unserer Startseiten mal sehen möchte: SOC Wiki

Puh, so. Bei Fragen...

Frederic Hahn

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Konstruktion und Kommunikation von Wissen mit Wikis

Auf diesem Weg die herzliche Einladung, sich an der Blogparade mit dem Thema "Konstruktion und Kommunikation von Wissen mit Wikis" zu beteiligen: mitmachen.

Zeit mitzumachen ist auch noch nach Pfingsten ;-)

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