Operation Himmel macht Journalisten blind


Vor ein paar Tagen hatte ich von der Operation Himmel berichtet. Wie zu erwarten, ist die große Nummer (Spiegel Online: »Riesiger Kinderporno-Skandal schockiert Deutschland«) zu einem Nichts verpufft. Nach Ende der Feiertage hat man zum Beispiel beim Spiegel dann doch mal recherchiert. So, wie es sich für ein Qualitätsmedium gehört. Am 29. Dezember 2007 hat man titeln müssen: »Ermittler kritisieren Kinderporno-Operation als Flop«. Auch die heute-Redaktion ist wieder da und man kann lesen: »Kinderpornos: Schrumpft Mega-Fall auf Normalmaß?«

Pech für den Kieler Nachwächter, äh, die Kieler Nachrichten. Als dort am Vortag die Zeitungsspalten gefüllt werden mussten, war man noch nicht so schlau um kurz mal zu googeln und zu yahoon um zu erfahren, was es dann so für Meinungen und Fakten zum Fall gibt. Sonst hätte man nämlich nicht so ohne weiteres die Meldungen der Konkurrenz übernommen und mit einer Prise Regionales gewürzt:

Die große Fahndung im Internet

Kiel – Der bislang größte Kinderpornografie-Skandal Deutschlands hat den Norden erreicht: Von den bislang bundesweit 12000 Verdächtigen leben rund 100 allein im Landgerichtsbezirk Kiel. In ganz Schleswig-Holstein laufen laut Landeskriminalamt 350 Ermittlungsverfahren im Rahmen der Operation „Himmel“.

Auf Telepolis ist nun ein guter Artikel von Burkhard Schröder erschienen, der den Umgang der Medien mit Kinderpornographie im Allgemeinen und dem Fall Himmel im Speziellen beleuchtet:

Operation Heiße Luft

Burkhard Schröder 31.12.2007

Der angeblich "riesige Kinderporno-Skandal" unter dem Code-Namen "Operation Himmel" hat sich als Operation Heiße Luft erwiesen. Das Reizwort "Kinderpornografie" verführt deutsche Medien häufig zu einer kruden Mixtur aus Halbwahrheiten, urbanen Märchen und glatten Falschmeldungen

Bei hoch emotionalisierten Themen wie "Kinderpornografie bei [bitte selbst ausfüllen]" werden journalistische Standards oft genug missachtet. Man sollte erst etwas publizieren, wenn man die Fakten überprüft hat. Das Statement eines Polizei- oder Justizpressesprechers ist keine Tatsache, die man ohne weitere Recherche einfach übernehmen könnte. Das hat sich jetzt bei der Operation "Himmel" wieder bewiesen: Viel heiße Luft und wenig dahinter.

Sei dabei!

Da sieht man mal, wie schnell das gehen kann: LawBlog - Sandra-model2.mpeg

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