Ein Lehrstück (-video)


Bestes Bildungsmaterial aus Studentenhand.

Dazu das Interview auf jetzt.de mit dem Ersteller des Videos, dem Bremer Studenten der Rechtswissenschaften Matthias Dittmayer:

Mir geht es darum, dass die öffentlich-rechtlichen Sender es nicht schaffen, PC-Spiele sachlich und inhaltlich richtig darzustellen, und zum Teil negativ verfälschend über das Thema berichten. Ausgelöst an dem Beitrag in Panorama, aber ich zeige in dem Video auch Beispiele aus Hart aber Fair, Kontraste und Frontal 21.

[via Stefan Niggemeier]

Update: Ein interessanter Kommentar von Peter Steinlechner bei Stefan Niggemeier (Hervorhebung von mir):

ich verfolge die „Killerspiel”-Berichterstattung als Branchen-Insider (früher Redakteur, jetzt PR) schon länger und kann nur sagen: Ja, was viele als seriös geltende Medien über Spiele schreiben, ist zum Teil unfassbar schlecht recherchiert, tendenziös und unsachlich. Und ich kann mich an viele Spieler – und in der jüngeren Generation ist fast jeder Spieler – erinnern, die in Foren irgendwann geäußert haben, den Medien nicht mehr vertrauen zu können. Tyisch waren Beiträge a la „Wenn FAZ/ARD/ZDF nicht mal über Spiele korrekt berichten, was schreiben die dann wohl über Politik/Atomkraft/Kriege ect. für Unwahrheiten”. Eine öffentliche Debatte über Medienstandards und journalistische Arbeit ist überfällig. Am ehesten wären dazu ja eigentlich die öffentlich-rechtlichen in der Lage, weil eigentlich unabhängig – aber da fehlt wohl der Mut, sich mit den Kollegen in der Wirtschaft anzulegen.

Gemeinsamkeiten aller Berichterstattungen: Sündenbockfindung

Die auffällige Gemeinsamkeit der in dem Film gezeigten Berichterstattungen ist vor allem die sogenannte "monokausale Argumentation", das bedeutet, irgendwelche Gewalttaten von Jugendlichen werden damit erklärt, dass diese nur EINE EINZIGE Ursache haben können, nämlich Computerspiele. Es ist die berühmte Suche nach dem einzigen "Schuldigen". Denn nur wenn es genau einen Schuldigen gibt, sind alle anderen automatisch Unschuldige!!

Ein Vergleich:
Ich bin mir sicher, wenn ich 100 im Gefängnis einsitzende Mörder untersuche, dass ich feststellen kann, dass etwa 90% von ihnen Rechtshänder sind. Sie sind benutzen alle die rechte Hand für ihre Taten!!! Rechtshändigkeit scheint die ganz offensichtliche EINZIGE URSACHE für die Gewalttaten zu sein, es liegt also quasi auf der Hand, wer einen Mord begeht, denn nur jeder zehnte Linkshänder begeht einen Mord. Man sollte demnach ganz besonders vorsichtig sein, wenn man einem Rechtshänder begegnet, oder?

Das Grundproblem was in dem Film meiner Meinung nach deutlich wird ist nicht in erster Linie die mangelhafte Prüfung der verwendeten Interviews und Videoausschnitte für die Berichterstattung, sondern die Reduzierung der Sicht des Zuschauers auf nur EINE EINZIGE mögliche Ursache. Dass in unserer komplexen Welt etwas nur genau eine einzige Ursache hat, ist wohl eher eine Ausnahme als die Regel. Für das Verhalten eines Menschen, der ein ziemlich komplexes Wesen ist, dürfte Monokausalität noch viel seltener existieren.

Es ist die dramatische Vereinfachung und Reduzierung der Sichtweise auf die möglichen Ursachen des Problems, die hier zig tausende Zuschauer im Prinzip in die Irre führt.

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