Medien, Lernen, Handlungskompetenz


Ich versuche gerade ein paar Gedanken einen gemeinsamen Rahmen zu geben:

  • SPIEGEL Titelstory »Der Preis der Angst - Wie der Terrorismus den Rechtsstaat in Bedrängnis bringt«
  • Verabschiedung des Hackerparagraphen
  • Jugendmedienschutz (da ich gerade das Chaosradio 125 gehört habe).

Der neue »Hackerparagraph« ist eigentlich nur bei Politikern umstritten. Bei allen, die mit dem Thema Computeradministration oder Softwareentwicklung zu tun haben, löste das Gesetz dagegen nur Kopfschütteln aus. Mit der Verabschiedung hat der Chaos Computer Club die Unsinnigkeit des Gesetzes mit einem herrlichen Bild einer Blümchenwiese dargestellt:

Per Gesetzesänderung (§202c StGB) hat die Bundesregierung das Internet wieder zur Blümchenwiese gemacht. Da es keine Sicherheitsprobleme mehr gibt, brauchen wir jetzt auch keine Sicherheitswerkzeuge mehr.

Ebenso wie die Bestrebungen im Bereich Jugendmedienschutz und der Automatismus des Rufs nach dem Verbot von irgendwelchen »schrecklichen Killerspielen«, sobald irgendwo in der Republik etwas passiert. Sachlich ist so etwas aus medienpsychologischer Sicht überhaupt nicht zu begründen. Aber das Vorgehen der Politik zeigt eine gewisse Parallele zu den Vorgängen um den Hackerparagraphen: Die Politik agiert quasi entkoppelt von den Vorgängen der letzten 15 Jahren im Internet. Manchmal meine ich sogar das ängstliche Unbehagen in den Gesichtern der Mandatsträger greifen zu können, wenn diese sich zum Thema Internet und neue Medien äußern (müssen). Dennoch wird so agiert wie gewohnt, am Liebsten mit Verboten und strengen Regularien. Dass das den anderen politischen Forderungen, z.B. nach lebenslangen Lernen, Medienkompetenz und Handlungskompetenz (sic!) völlig widerspricht, wird nicht wahrgenommen.

Vielleicht ist es ja wirklich Zeit für einen Paradigmenwechsel in unserer gesellschaftlichen Elite. Enge Strukturen, Gebote, Formalismen, das können die falschen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft sein. In einer sehr komplexen Welt kann der »Vater Staat« vielleicht einfach nicht mehr alle Lebensentwicklungen vorausplanen und steuern und sollte seinen »Schäfchen« vielleicht anderes Rüstzeug mit auf den Weg geben. Medienkompetenz. Handlungskompetenz. Sozialkompetenz. – Selbständigkeit.

Wie bringe ich nun noch die anfangs erwähnte Titelstory des Spiegel mit dazu? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass ich heute komplett auf die klassischen Medien, den ehemaligen »Sturmgeschützen der Demokratie« verzichten kann. Das tradierte Sender-Empfänger-Modell bröckelt. Es steht noch, aber es bröckelt. Wer will, kann sich ausschließlich aus alternativen Quellen bedienen. Und fährt damit wahrscheinlich ziemlich gut.

Erinnert sich noch jemand an die Rede von Colin Powell vor der UN-Vollversammlung? Er hatte auf Grund von Geheimdienstunterlagen dem Irak die berühmten Weapons of Mass Destruction vorgeworfen damit den Einmarsch in das Land begründet. Die Rede war quasi der Urteilsspruch, basierend auf Geheimdienstinformationoen.

Heute sagt Powell dazu nur noch: »I look back on it, and I still say it was the lowest point in my life.« Ähnliches haben Schäuble & Co. trotzdem in Deutschland vor. Kurz mal eine update, worüber die letzten Tage diskutiert worden ist (Folterung von Verdächtigen haben wir ja auch schon vor zwei Jahren nicht wirklich zu den Akten gelegt):

Update: Der Spiegelfechter hat einen lesenswerten Beitrag zu Schäuble: Staatsfeind Nr. 1.

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