Jabber rockt

Ich spiele gerade ein wenig mit Jabber rum. Jabber ist die Bezeichnung für ein standardisiertes Instant Messaging. Instant Messaging, dass ist ICQ, MSN, Yahoo, AIM, GoogleTalk, Skype und eben auch Jabber (hier gab es mal eine Umfrage über die Nutzung von IM).

Jabber ist ziemlich cool. Denn Jabber beruht im Gegensatz zu den meisten anderen Diensten auf offenen Standards. Bei MSN, Skype etc. ist man auf die Server der Anbieter angewiesen. Man muss sich dort einloggen und man weiß nicht so genau, was mit den eigenen Daten geschieht (die Nutzungbedingungen sind allerdings erschreckend). Jabber dagegen ist wie E-Mail ein offenes System, die Technik dahinter ist standardisiert (eben wie bei E-Mail) und es gibt offene (Open Source) Software. Jabber ist als ein dezentraler Dienst realisiert. Man kann seinen eigenen Jabber-Server fahren, auf dem dann die Mitarbeiter eines Unternehmens oder die Mitglieder einer Lerngruppe ihre Jabber-Accounts haben. Als Anwender macht es keinen Unterschied, ob man mit jemanden chattet, der seinen Account auf dem gleichen Server hat oder auf einem Server auf der anderen Seite des Erdballs. Damit ist das Jabber-System ähnlich robust konzipiert wie das E-Mail-System.

Ich will nicht darauf eingehen, welche Nachteile man sich mit proprietären IM-Diensten einhandelt, sondern einfach mal die coolen Feature von Jabber aufzählen:

  • Kontakt-Authentifizierung
    Bevor man mit jemanden chatten kann, muss man sich gegenseitig in die Kontaktliste (Roster, Buddy List) aufgenommen haben. Das wird mit einer einmaligen Authentifizierung bewerkstelligt, die unter anderem Spam erfolgreich verhindert.
  • mehrfaches Einloggen
    Man kann sich gleichzeitig mit mehreren Clients anmelden. Man kann z.B. einen Jabber-Client auf dem Büro-Rechner angemeldet haben, einen auf dem Laptop und einen auf dem Handy. Alle unter dem gleichen Anmeldenamen. Das funktioniert überraschend unproblematisch. Und man kann sich sogar alte Nachrichten von seinem anderen Client holen und anzeigen lassen. Das ist schon ziemlich cool.
  • systemunabhängig
    Hatte ich erwähnt, dass man Jabber auch auf dem Handy haben kann? Sehr günstig, wenn man sowieso schon eine Datenflatrate sein eigen nennt. Blackberry war gestern ...
  • Datenschutz
    Jabber bietet von Haus aus SSL/TLS-Verschlüsselung, darüberhinaus sind auch End-zu-End-Verschlüsselungen vorgesehen (z.B. mittels PGP)
  • Erweiterbarkeit
    Jabber ist so aufgebaut, dass man Erweiterungen hinzufügen kann, ohne dass die bisherigen Clients nicht mehr funktionieren. So gibt es Voice over IP (z.B. Google Talk, das ist auch Jabber) oder ein Whiteboard (Coccinella z.B. kann sowohl VoIP als auch Whiteboard).
  • Dezentralität
    Es gibt nicht einen Server, sondern beliebig viele. Und man kann sich seinen eigenen Server aufsetzen, dann hat man seine eigene, lebenslang gültige Jabber ID. Zum Beispiel ts@jabber.tschlotfeldt.de. Cool, oder?

Was mir noch auf Clientseite fehlt ist ein vernünftiges Ablagesystem für die Nachrichten. Dann wäre es ein vollwertiger E-Mail-Ersatz. Aber ganz ohne Spam.

Update: Oh, das passt ja:

Seit der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag konnten sich zahlreiche ICQ-Anwender nicht mehr in den Chat-Dienst einloggen, ihre Konten waren als gelöscht gekennzeichnet. Schätzungen über die Zahl der Betroffenen schwanken zwischen tausend und hunderttausend. Nach wie vor ist unklar, ob die AOL-Tochter Opfer einer technischen Panne oder eines Hacking-Angriffs geworden ist.

Update 2: Schon vor zwei Wochen hat Frank Helmschrott einen guten Beitrag zu Jabber geschrieben und eine Menge an Rückmeldungen bekommen: Warum eigentlich Jabber?

Kommentare

[...] an die Nutzung von IM im Arbeitsalltag gewöhnt hat fällt der Verzicht doch schwer…Das Jabber rockt hat auch schon Tim Schlodtfeldt in seinem Blog festgestellt und noch einige Details beschrieben. [...]

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