Eliten und Exzellenz


Stephan List hat den Eintrag »Ideologische Scheuklappen« aufgenommen und dabei auf eine Diskussionen mit Michael Hartmann im SWR2-Forum verwiesen. Wie Stephan es schon andeutete, war die Diskussion nicht wirklich spannend. Aber ein Zitat von Hartmann ist mir haften geblieben, weil die meiner Meinung sehr anschaulich einen Aspekt zur Exzellensinitiative beschreibt (Time Code: 20:04 min):

Die öffentlichen Hochschulen sind seit über 20 Jahren mehr und mehr unterfinanziert. Nun ist die Frage, wie kommt man da raus. Und die Lösung, die von diesem Teil der Hochschulen wie auch der Forschung gefunden worden ist: Wir lassen einen größeren Teil abrutschen und ein kleinerer Teil bekommt zusätzliche Gelder. Dieser kleinere Teil [...] besteht natürlich aus den Institutionen, die in dem Feld Wissenschaft besonders durchsetzungsfähig sind. [...] Ich glaube, das Wirksame ist dabei, dass sie selber auch der Überzeugung sind, dass das für den Forschungsstandort Deutschland das Beste ist. Das aber andere Alternativen überhaupt nicht mehr durchdacht werden. [...] Also die Frage, ob es vielleicht möglich ist in der Breite die Qualität die wir bisher hatten, die unsere im interationalen Vergleich sehr hohe Qualität des Hochschulsystems ausmachte, durch vernünftige Finanzierung zu erhalten, ist vollkommen aus dem Blickwinkel.

Quelle: SWR2 Forum 20.11.2006 (MP3-Stream hören)

Genauso ist es. Und was für

Genauso ist es. Und was für unsere politische "Elite" besonders wichtig ist, das man bei der Umschichtung der Fördergelder unterm Strich ordentlich kürzt.

Es ist zum K..., insbesondere, wenn man beide Diskussionen im Doppelpack genießt.

Stephan

Es ist zum K...,

Es ist zum K..., insbesondere, wenn man beide Diskussionen im Doppelpack genießt.
Die zweite Diskussion steht bei mir heute Abend an.

Vernetztes Denken

scheint immer mehr aus der Mode zu kommen. Gerade im bildungspoltischen Bereich reiht sich eine Fehlentscheidung an die nächste, ohne daß auf kritische Hinweise geachtet wird.

1) Vorhin las ich gerade die Nachricht "22000 offene Ingenieursstellen in Deutschland" (heise newsticker). Vor einem Jahr meldete der VDE noch das Fehlen von 11.500 Ingenieuren alleine im deutschen Mittelstand, somit scheint sich die Situation verschärft zu haben.

2) Im April hat der oben bereits genannte Michael Hartmann im Rahmen der SWR2-Aula-Sendereihe einen Beitrag über die Studiengebühreneinführung (RTF-Manuskript) veröffentlicht. Darin zerlegte er das US-Hochschulsystem rein zahlenmässig und kam zu der Schlußfolgerung, daß sehr viele der dortigen sogenannten Hochschulen kommen kaum über unser Fachoberschul- oder Abitur-Niveau hinauskämen. Auch die reine Dauer eines derartigen "Studiums" wäre mit zwei Jahren nur sehr eingeschränkt mit unseren FH- und Uni-Studiengängen zu vergleichen.

Er kam auf insgesamt nur 150 echte Hochschulen, die mit unserem Hochschulsystem vergleichbar wären. Und auf diesen dominieren wiederum zu 2/3 bis 3/4 die Studierenden, deren Eltern sich diese extrem hohen, 5-stelligen Studiengebühren leisten können. Die Studiengebühren an den anderen Bildungseinrichtungen wären zwar deutlich niedriger, diese wären daber auch vom Level her deutlichst unter den obigen 150 anzusetzen.

3) In der von Tim zitierte Aussage weist Michael Hartmann zurecht darauf hin, daß die Exzellenz-Initiative nur einige wenige Hochschulen hochpuschen will, aber die breite Masse eher unterfinanziert bleiben soll. Das aber gerade das breite Herangehen an Hochschulbildung für viele einer der Erfolgsfaktoren für den Standort Deutschland darstellt und dargestellt hat, ist den Entscheidern scheinbar nicht bewußt. Sonst würden solche Meldungen wie unter 1) nicht immer wieder neu auftauchen.

Meine Schlußfolgerung:
Man ist in der deutschen Politik und den Wissenschaftsgremien der Meinung, daß man einen besseren Hochschul-Output durch Studiengebühren und Exzellenz-Initiative erreichen könnte. Das wird dazu führen, daß einerseits eine Selektion unter den Studierenden entstehen wird (nur gutbetuchte kommen immer weiter, aller anderen müssen darum kämpfen), und andererseits wiederum nur wenige davon in den Genuß einer exzellenten Hochschulbildung kommen (alle anderen Hochschulen saufen ab).

Wie man mit einer immer kleiner werdenden Selektion das Problem des massenhaften Fehlens von Fachkräften (siehe 1)) in Griff bekommen will, ist mir daher schleierhaft. Durch eine künstliche Verknappung mehr hochwertigen Output erreichen zu wollen, halte ich mit dieser Methode für unerreichbar.

Hartmann zu den US-Hochschulen

2) Im April hat der oben bereits genannte Michael Hartmann im Rahmen der SWR2-Aula-Sendereihe einen Beitrag über die Studiengebühreneinführung (RTF-Manuskript) veröffentlicht.
Danke für den Link, Macsico. Was Hartmann da ausbreitet ist hochinteressant und erschreckend. Zum Beispiel die Salami-Taktik, mit der sich Staaten mit steigenden Studiengebühren immer weiter aus der Finanzierung verabschieden. Das sind ziemlich düstere Aussichten :-(

Studiengebühren zum Löcherstopfen

anbei ein Link zu einem Artikel über die angedachte Zweckentfremdung von Studiengebühren:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/574249/

Kurzer Textauszug:
> Ab nächstem Sommersemester müssen Studenten in Baden-Württemberg pro Semester
> eine Gebühr von 500 Euro bezahlen. Mit diesem Geld soll Studium und Lehre
> verbessert werden, betonen die Landesregierung und die Uni-Leitungen immer
> wieder. Doch in Freiburg scheint sich jetzt die Sorge einiger Studenten zu
> bestätigen, dass mit dem Geld Haushaltslöcher gestopft werden sollen.

Den Hinweis fand ich im Blog "netbib weblog", welches eigentlich thematisch bei den Bibliothekaren angesiedelt ist:

http://log.netbib.de/archives/2006/12/18/studiengebuhren-kommen-direkt-d...

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