Urheberrecht: Web 2.0 und informelles Lernen am Ende?

Auf Checkpoint E-Learning ist nun auch erstmals über die Probleme des neuen Patent(un)wesens berichtet:

Betrügerisches Vorgehen?

Aufregung über US-Patent auf Online-Tests

München, April 2006 – Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat beim US-Patentamt einen Antrag auf Nachprüfung eines Patents gestellt, mit dem sich das Unternehmen Test.com Schutzrechte auf die Durchführung von Online-Test gesichert hat. Laut der US-Bürgerrechtsorganisation kommen dadurch auf eLearning-Anbieter und Universitäten illegitime Lizenzforderungen zu.

Seit einigen Jahren versuchen Medienindustrie und Großunternehmen amerikanische Auffassungen zum Urheberrecht und zu Softwarepatenten (den so genannten Trivialpatenten) in Europa einzuführen. Auf der EU-Ebene ist die Einführung dieser Softwarepatente im letzten Jahr gescheitert, allerdings wird immer noch daran gearbeitet, dies zu ändern.

Im letzten Jahr hatte ich mit dem Beitrag »Softwarepatente und E-Learning« meine Meinung zu der Softwarepatentthematik kurz dargelegt und die Folgen für die E-Learning-Branche sehr kritisch beleuchtet. An diesem Standpunkt hat sich nichts geändert. Genauso kritisch sehe ich die Verschärfungen im Urheberrecht. Hier scheint die Medienindstrie schon weiter zu sein als die Patentlobby. Der Heise-Verlag berichtet heute von zwei Ereignissen (übrigens kann ich vor dem Heise-Verlag nur meinen Hut ziehen; es gibt wohl keinen anderen Verlag, der so viel Energie in die Recherche zu diesen Themen steckt):

Wirtschaft und Politik zelebrieren den "Tag des geistigen Eigentums"

Wir müssen das nötige Rechtsbewusstsein für geistiges Eigentum schaffen, betonte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Sie kündigte an, den Schutz geistigen Eigentums zum Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 machen zu wollen.

EU-Kommission macht neuen Anlauf zur Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte

Die EU-Kommission hält im Kern an ihrem heftig umstrittenen Plan fest, die Verletzung von Urheber-, Patent- und Markenrechten künftig mit Geldbußen zwischen 100.000 und 300.000 Euro oder mit bis zu vier Jahren Gefängnis strafrechtlich verfolgbar zu machen. Justizkommissar Franco Frattini sieht den neuen Vorschlag hauptsächlich als strafrechtliche Ergänzung der Maßnahmen zur Bekämpfung der Produktpiraterie in Europa

Einschränkungen für das informelle Lernen

Lassen wir uns doch einfach mal die Begriffe Wissensgesellschaft und Informationszeitalter auf der Zunge zergehen. Eine Folge dieser Begriffe ist das heutige Konzept des informellen Lernens. Ihnen allen wohnt ein Gedanke inne: Informationsaustausch. Nur wird es nicht zu dem erforderlichen Wissensaustausch kommen, wenn die Ware Wissen verknappt und teuer wird. Etwa ein abstraktes Problem? Denken Sie doch nur an die Musik- und Filmindustrie. Dort sind Digital Restriction Management Systeme Standard und selbst Kinder will man mit »aller Härte verfolgen«, die sich Kopien selbst erstellen. Oder werfen wir einmal einen Blick in die Blogosphäre. Abmahnungen gehören mittlerweile zum Tagesgeschäft bloggender Mitmenschen.

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