Genau vor einer Woche hatte Stephen Downes auf eine Blogbeitrag von Alanna Shaikh hingewiesen, den auch Jochen im Weiterbildungsblog thematisiert hat: One Laptop Per Child - The Dream is Over.
Alanna Shaikhs sieht das OLPC-Projekt als einen Misserfolg an, weil
- der OLPC mehr als die versprochenen 100 Dollar kostet,
- die erwarteten Verkaufszahlen nicht erreicht worden sind,
- erst spät auch an NGOs und gemeinnützige Organisationen verkauft worden ist,
- die Wirkung des OLPC (Bildungs-) Welt überraschend gering sei und
- lediglich eine Million Laptops verkauft worden.
Daneben hat sie noch einige weiter Punkte angeführt, die aber eher eine Meinung ohne fundierte Begründung darstellen.
Dieser Blogeintrag löste eine ganze Menge an Diskussionen aus. Ich denke, die Diskussionen liegen nicht nur in der einfachen Aussage eines Misserfolgs begründet. Dazu muss man sich die Geschichte des Projekts nochmal genauer ansehen und vor allem, welche Widerstände sich aufgebaut hatten. Intel beispielsweise hatte das Projekt zunächst mit seiner »Unterstützung« beeinträchtigt, und parallel hat man mit dem ClassMate ein direktes Konkurrenzprodukt entwickelt. Auch Microsoft hatte ein wenig mit im Projekt gerührt und laut Presseberichten starken Einfluss genommen und so erreicht, dass die 100-Dollar-Laptops auch mit Windows umgehen können müssen.
Es gab also trotz der wie ich finde großartigen Idee und den innovativen Lösungsansätzen heftigen Gegenwind. Naiver Weise hat man sich wohl zu Beginn des Projekts nicht vorstellen können, wen man mit so einem Laptop alles vor den Kopf stößt und mit welcher Kraft dagegen angegangen werden würde.
Nach solchen Erfahrungen nimmt man dann einen Beitrag wie den von Alanna Shaikh nicht mehr auf die leichte Schulter. Es ist aber interessant zu sehen, welche positiven Rückmeldungen aus Ländern gekommen sind, die den OLPC-X1 im Einsatz haben.
Carlos Rabassa aus Urugay:
The OLPC plan in Uruguay is well and alive, with no plans to disappear.
One important fact: The main opposition candidate in next month presidential elections, has gone to extremes to explain how good the Plan Ceibal is.
danielapapi aus Kambodscha:
Walk into a classroom where we work with and see older students teaching younger students how to read Khmer via the animated Khmer testing program they designed themselves, and you will change your mind a bit. Talk to our computer teachers, young Cambodians who taught themselves how to use the XOs, and yes, they will tell you there is a lot they don't understand, but they are effecting change. You can’t see that from your office, but I can see it here.
Oscar Becerra vom Peruanischen Bildungsministerium (der Alannas Punkte einzeln widerlegt):
It's amazing how ignorance of what is happening in the real world can be disguised so grossly to attempt to pass for truth what is simply false. I am responsible for the delivery of 300,000 (so far) XO's to Peruvian rural one classroom school children and we will be delivering 300,000 more next year.
Das OLPC-Projekt hat schon viel verändert, aber das wesentliche wird sich erst in 10 Jahren zeigen, wenn die erste Generation die Schulen verlässt. Schon heute lässt sich folgendes sagen:
- Vor dem OLPC-Projekt gabe es keine günstigen Laptops, die Netbook-Klasse ist eine Folge des 100-Dollar-Laptops.
- Es sind über eine Million OLPC-Geräte im Einsatz, eine zweite Million ist projektiert.
- In einem Land, Uruguay, besitzt jetzt jedes Kind einen OLPC-Laptop. Es wird spannend, den Werdegang diese Generation zu verfolgen.
- Es gibt kein anderes Gerät, das von seiner Bedienphilosophie so konsequent auf Kinder, Bildung und Sprachunabhängigkeit ausgerichtet ist.
- Es gibt kein anderes Gerät, das für extreme klimatische Region mit geringer Infrastruktur so gut gerüstet ist.
Weiterlesen:
- One Laptop Per Child News:In Defense of OLPC and the XO Laptop
- One Laptop Per Child News: Dreaming Again with One Laptop Per Child


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