Journalismus und E-Learning


Ist es nicht faszinierend, wie in all diesen Qualitätsjournalismus- und Zeitungsverteidigungsartikeln das einfach immer als gegeben hingestellt wird, dass unser real existierender Journalismus seine gesellschaftliche Aufgabe erfüllt? Die Wörter „gut recherchiert” stehen einfach in diesem Satz herum, gucken unschuldig und versuchen, nicht weiter aufzufallen.

Manchmal könnte ich Stefan Niggemeier für solche Perlen knutschen. Stefan Niggemeier hat dabei nicht einmal eine neue Entdeckung gemacht. Er schreibt nur immer wieder seine Beobachtungen als Medienjournalist auf, in diesem Fall einmal mehr, mit welcher Selbstgerechtigkeit der Journalismus mit sich selbst umgeht. Für mich als »E-Learner« ist das etwas sehr interessantes, da ich als Zaungast einem höchst unterhaltsam kommentierten Veränderungsprozess beiwohnen darf. Ich sehe da viele Parallelen zu meiner Branche, zu Bildungseinrichtungen, Lehrern und Trainern, Kulturförderern und Kulturverwaltungen. Mit seinen Beiträgen schafft es Niggemeier immer wieder, Selbstwahrnehmungen und Eigenansprüche der ernüchternden Wirklichkeit des gedruckten Wortes und des gesendeten Bildes gegenüber zu stellen.

Der Bildungsbetrieb leidet nicht wie der Journalismus am Kundenschwund. Aber das liegt nicht an einer bestimmten Bildungsqualität sondern schlicht daran, dass man, wenn man ein einigermaßen anständiges Leben führen möchte, sich durch die Institutionen hierzlande bilden lassen muss. Unser starres Bildungssysem ist nicht für Veränderungsprozesse gebaut, die »Monopolstellung« der Weiterbildungsformen lässt ein Streben nach Veränderung auch erst gar nicht aufkommen. Eher ist man Stolz auf die deutsche Bildungstradition. Und hier schließt sich dann der Kreis, ich sehe da große Parallelen zwischen Qualitätsanspruch und -wirklichkeit unseres Bildungssystems sowie der Qualitätsdebatte im Journalismus. Veränderungen sind eigentlich ein ganz normaler Vorgang (als Projektleiter nimmt man diese Lebensweisheit ziemlich schnell an). Darum sollte es doch auch möglich sein, eine positive Grundstimmung zu schaffen, in der man die notwendigen Veränderungen gemeinsam angehen kann. Damit es uns eines Tages nicht so ergeht wie der Musikindustrie oder der Tagespresse.

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