Morgen in der taz: »Die Angst vor dem User«

Markus Beckedahl, der unter anderem hinter netzpolitik.org steht, hat einen Kommentar und leidenschaftlichen Appel zum morgen stattfindenden »IT-Gipfel« der Bunderegierung mit Vertretern der IT-Wirtschaft und ausgewählten Wissenschaftlern verfasst, der morgen in der taz erscheint:

Der IT-Gipfel zeigt, wie die Bundesregierung das Thema Netzpolitik versteht - rein standortpolitisch, nach dem Modell der alten Deutschland-AG. So präsentiert die Regierung dort gerne Großprojekte, die in Zusammenarbeit mit der IT-Wirtschaft entstanden sind, deren gesellschaftliche Auswirkungen aber selten untersucht werden. Hinzu kommen Themen, die zeigen, dass bei vielen Politikern immer noch die Angst die Agenda bestimmt - die Angst vor Jugendlichen, die neugierig im Netz unterwegs sind; vor Terroristen und Pädophilen, die hier angeblich einen sicheren Rückzugsort haben (aber auch noch nie so gut aufzuspüren waren); vor neuen Unterhaltungsformen, die als "Killerspiele" diskreditiert werden; und ganz generell vor dem Neuen, dem Unbekannten, dem Netz.

Update: Rechtzeitig hat sich auch unsere Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (»Bundesmutti«) zu Wort gemeldet: Sie will Kinderpornographie im Internet verbinden. Ist ja auch nichts gegen zu sagen. Nur: Kinderpornographie ist schon längst verboten. Was soll das also? Was von der Leyen eigentlich sagen wollte kommt im nächsten Satz: »Wir schließen die Datenautobahn der Kinderpornografie. Das BKA erstellt Listen der kinderpornografischen Websites. Jetzt sollen die Zugangsanbieter gesetzlich verpflichtet werden, die Listen zu beachten und solche Websites unverzüglich zu schließen.«. Sie will also einen Internetfilter, Arcor, 1 & 1, Telekom und all die anderen Provider sollen bestimmte, vom BKA zu definierende Bereiche des Internets für Ihre Kunden sperren. Da blickt sie durch, die Angst vor dem User.

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Kommentare

Hallo Tim

Ich denke da sieht man ein grundlegendes Problem in der heutigen Politik und dem Verständnis dem Netz gegenüber. Politiker verstehen das Internet nicht. Was Deutschland bräuchte wäre wohl jemand wie Obama (vielleicht) oder Googles CIO. Wenn ich von Internetfiltern lese, Schäubles Online-Durchsuchung oder Abgeordnete Wikipedia sperren lassen, weil ihr Artikel nicht stimmt, ahne ich böses. Hier fehlt eindeutig Medien- bzw. Internetkompetenz bei den Verantwortlichen. Das scheint mir ein Generationenproblem zu sein und es wird wohl noch lange dauern, bis ein Internet-Kind Bundeskanzler/in wird...

Gruss aus dem Norden
Andreas

Ich stelle mir gerade vor, was wohl wäre, wenn die Wikipedia Foundation ihren Rechtssitz in Deutschland hätte. Die Wikipedia-Enzyklopädie wäre nach kurzer Zeit schon in Grund und Boden geklagt worden.

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