Selbstbestimmungstheorie

Warum bloggt mensch?


Tamara Biano hat ihre Masterarbeit mit dem Titel »Bloggen &endash; Pflichtübung oder Passion?« veröffentlich. Sie hat darin empirisch untersucht, ob und wie sich so genannte Knowledge Blogs als Werkzeuge des persönlichen Wissensmanagements eignen. Theoretische Grundlage ihrer Arbeit ist die Selbstbestimmungstheorie, zu der Gabi Reinmann und Tamara Bianco Anfang 2008 einen Arbeitsbericht veröffentlicht hatten. Die Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan halte ich für sehr interessant, denn Sie bietet ein gutes Fundament für Überlegungen zur Einführung von Weblogs in Unternehmen und Verwaltungen.

Basis der Arbeit von Tamara ist eine Online-Umfrage mit letztlich 74 Knowledge Bloggern sowie »Experten«interviews mit Joachim Wiedekind, Mandy Schiefner, Martin Ebner und mir. Im Großen und Ganzen werden die Annahmen aus dem Arbeitsbericht »Kowledge-Blogs zwischen Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit« bestätigt. Die Online-Umfrage unter den meist wissenschaftlich Arbeitenden hat aber auch einige bemerkenswerten Ergebnisse geliefert:

  1. die meisten der (befragten) Blogger sind männlich
  2. es gibt einen starken Medienbezug in der eigenen Arbeit
  3. die meisen (der Befragten) bloggen erst seit 12 Monaten, viele sogar erst seit 6 Monaten
  4. gebloggt wird aus eigenem Interesse herau und nicht auf Grund von äußerem Druck
  5. die meisten schätzen das Bloggen als Werkzeug zum persönlichen Wissensmanagement
  6. hervorgehoben werden Eigenschaften wie Reflexion, Vernetzung, Dokumentation und Selbstmarketing

Insgesamt eine sehr aufschlussreiche Arbeit. Herzlichen Dank Tamara, dass du sie veröffentlicht hast.

Weiterlesen: Tamara Bianco: Bloggen - Pflichtübung oder Passion?

Voraussetzungen für die Einführung von Knowledge Blogs in Organisationen


Gabi Reinmann und Tamara Bianco haben im Februar einen interessanten Arbeitsbericht veröffentlicht: Knowledge Blogs zwischen Kompetenz, Autonomie und sozialer Eingebundenheit. Aus dem Abstract:

Der Beitrag greift das Thema Blogs und dieses Defizit auf und spezifiziert diskutiert die Bedeutung speziell von Knowledge Blogs im Kontext von Wissensarbeit und persönlichem Wissensmanagement. Ziel ist es, Knowledge Blogs vor dem Hintergrund der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan zu betrachten und bereits bestehende empirische Befunde vor dem Hintergrund dieser Theorie zu reinterpretieren.

Reinmann und Bianco untersuchen dabei vor allem die Motivation, die hinter dem Knowledge Blogging steckt. Das ist auch für das Corporate-Umfeld eine sehr interessante Lektüre, da hier Erfahrungen aus der Einführung von Blogs in Unternehmen wissenschaftlich untermauert werden. Blogs und damit auch Knowledge Blogs lassen sich nicht einfach mit einem Fingerschnippen als ein neues Instrument des Wissensmanagements etablieren. Ich habe dazu ein paar Gedanken im E-Learning-Wiki zusammengetragen und das Fazit der beiden Autoren (sehr) stark verkürzt:

  • Fazit 1: Nur wenn eine Organisation selbstbstimmendes Bloggen zulässt, haben Knowledge Blogs eine Chance. In dem Arbeitsbericht wird die dahinterstehende, notwendige Motivation beleuchtet (intrisisch, integrierte Regulation und identifizierte Regulation) und in einem eher pessimistischen Ton darüber geschrieben, ob Organisationen ein solches Umfeld bieten können. Äußere Vorgaben, Anreize und eine Verknüpfung von Blogs mit vorhandenen Strukturen werden benötigt, da nur die wenigsten Blogger rein intrinsisch motiviert sein werden.
  • Fazit 2: Organisationen müssen einen weg finden, die internen Normen, die regulierten Verhaltensweisen mit dem für eine intrinsische Motivation notwendigen persönlichen Autonomierlebnis zu verknüpfen. Eine schwierige Forderung, zu der die Autoren schreiben: »Welche Organisationen könnten das sein? Würden Organisationen das wollen? Dürfen sie es wollen? Wären es dann noch Organisationen?«
  • Fazit 3: Recht wolkig schreiben Reinmann und Binanco von »humanistischen Utopien« und dass man die Konsequenzen ganz zu Ende denken muss, wenn man daran geht, Aspekte solcher Utopien zu realisieren. Ich werte das als einen Fingerzeig in die Richtung, die ich immer betone, wenn es ums informelle Lernen in Organisationen geht: Wertschätzung, Transparenz und für alle gültige Normen sind Voraussetzung, um informelle Lernprozesse ermöglichen zu können.
Zu diesem Arbeitspapier gibt es mittlerweile interessante Blogeinträge und Kommentare:
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