Ken Robinson zuzuhören ist immer wieder eine Freude:
[via Ralf Appelt]
Ken Robinson zuzuhören ist immer wieder eine Freude:
[via Ralf Appelt]
Seit einiger Zeit schaue ich mir wieder ganz gerne den Presseclub an. Beim letzten Mal ging es einmal mehr um unseren Sozialstaat. Der Staat muss die so genannten Hartz-IV-Sätze neu berechnen, in der dazu geführten öffentlichen Diskussionen werden statt Geldzahlungen auch zum Teil obskure Gutscheinmodelle gefordert.
Ein Blick in die U.S.A zeigt allerdings, dass reine Geldleistungen sehr wohl viel bewirken. Im April hatte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet, dass die jährliche Zahlung von 4.000 US-Dollar an indianische Eltern eines Reservats die Bildungschancen deren Kinder maßgeblich erhöht hatte (ich hatte es hier schonmal erwähnt):
grob gerechnet, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass 4000 Dollar zusätzliches Einkommen jährlich für die ärmsten Familien ein zusätzliches Schuljahr für die Kinder bedeuteten. Zudem senken die Transfers die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder mit 16 oder 17 Jahren kleinere Vergehen wie Diebstahl begangen haben, um rund 22 Prozent.
Es ist übrigens mitunter recht erkenntnisreich, wenn (Chef-) Redakteure über »Gürtel enger schnallen«, Lohnabstand und »Arbeit muss sich wieder lohnen« reden. (Chef-) Redakteure mit einem Jahresverdienst von 120.000,– Euro? 150.000,– Euro?
Ich mag Studien, die anschaulich belegen, dass individueller Erfolg und Wohlstand reine Glückssache sind und stark von der sozialen Stellung der Eltern abhängen.
Heute ist in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unter der Überschrift »Casinos machen Kinder schlau. Bei Indianern zeigt sich, dass das Einkommen über den Bildungserfolg der Kinder entscheidet« von einer Studie aus dem Jahr 2008 zu lesen, in der aufgezeigt wird, wie in einem Indianerreservat die Zahlungen aus den Gewinnen eines den Indianern gehörenden Spielcasions den Bildungserfolg beeinflussen. Fast schon erschreckend: Mit einer jährlichen Zahlung von lediglich 4.000 US-Dollar an indianische Eltern werden die Bildungschancen der Kinder maßgeblich verbessert (Hervorhebung von mir):Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder aus Indianerfamilien einen Highschool-Abschluss machten, stieg dank der Transfers aus den Casino-Einnahmen deutlich an; grob gerechnet, kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass 4000 Dollar zusätzliches Einkommen jährlich für die ärmsten Familien ein zusätzliches Schuljahr für die Kinder bedeuteten. Zudem senken die Transfers die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder mit 16 oder 17 Jahren kleinere Vergehen wie Diebstahl begangen haben, um rund 22 Prozent. Ebenfalls deutlich zu sehen ist, dass das zusätzliche Geld am meisten den Kindern der ärmsten Familien hilft. Um es kurz zu machen: Ein höheres Familieneinkommen bedeutet eine bessere Ausbildung der Kinder und ein kürzeres Vorstrafenregister, egal, welche Ausbildung die Eltern haben.
Die Studie kann bei EconPapers heruntergeladen werden.
Leider fahre ich dieses Jahr nicht zur Didacta, aber so richtig traurig bin ich deswegen nicht. Denn wirklich Neues wird man dort eher nicht erleben und E-Learning spielt nach meiner Erfahrung … nun, eigentlich gar keine Rolle.
Einige Blogger haben nun von Ihren diesjährigen Didacta-Erfahrungen berichtet: Gabi Reinmann, Joachim Wedeking und Tamara Bianco.
Nein, kein Wahlbeitrag ;-) Oder vielleicht doch.
Lernen, Bildung. Dazu sind in der Zeit zwei schöne Beiträge. Unter Wissen wird der Arbeitstag der Schulleiterin Margret Rössler beschrieben. Rössler ist gelernte Lehrerin, das, was sie als Schulleiterin macht, würde man in der Wirtschaft als Management bezeichnen. Aus dem Beitrag Täglich nachsitzen:
Wer sie einen Tag lang begleitet, versteht, warum Bildungsforscher diese Position als die wichtigste im Schulsystem bezeichnen – und wieso gleichzeitig immer weniger Lehrer diesen Beruf ergreifen wollen.
In der gleichen Ausgabe im Chancen-Teil ein Bericht über die Studie der Hochschul-Informations-Systems GmbH (HIS), bei der herausgekommen ist, was eigentlich alle schon immer gewusst haben: Die Bewilligung von Begabtenstipendien hängt zu einem großen Teil von der sozialen Herkunft ab. Die Studie ist schon ein paar Monate alt, die Zeit hat aber selbst noch ein wenig recherchiert. Aus gutem Hause (in der Online-Ausgabe lautet der Titel übrigens Begabtenförderung: Wer hat, dem wird gegeben):
Die Steuergelder für die Begabtenförderung werden vom Bundesbildungsministerium auf elf Stiftungen verteilt, die durch ihre unterschiedliche Ausrichtung das gesellschaftliche Spektrum in der Bundesrepublik widerspiegeln sollen. Bisher unveröffentlichte Einzelauswertungen aus der Studie weisen nun auf erhebliche Unterschiede zwischen den Förderwerken hin und machen die einseitige soziale Zusammensetzung der Stipendiaten einzelner Stiftungen besonders deutlich.
Während etwa bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung nur 43 Prozent der Stipendiaten eine »gehobene« oder »hohe« soziale Herkunft haben, beträgt der Anteil in diesen beiden Kategorien bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung, dem katholischen Cusanuswerk und der Stiftung der deutschen Wirtschaft zwischen 75 und 80 Prozent. Aus Arbeiterfamilien kommen dort lediglich sechs Prozent.
Urheberrecht, Online-Überwachung, Bürgerrechte und Privatsphäre sind ebenfalls Themen, die mich beschäftigen. Die Münchner S-Bahn-Morde haben wieder die Forderungen nach mehr Videoüberwachung und stärkeren Sanktionen laut werden lassen. Aber anstatt mehr Videoüberwachung und schärfere Gesetze zu fordern, könnte man auch einfach mal an das naheligendste denken, nämlich Polizisten wieder auf Streife zu schicken. Dazu aus dem Kommentar Amtscourage von Volker Zastrow in der linker Umtriebe unverdächtigen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:
Aber die Wahrheit ist eine andere: Die Polizei hat sich aus dem öffentlichen Raum zurückgezogen, und zwar gerade dort, wo es gefährlich ist, wo die öffentlichen Verkehrsmittel Menschen verbinden und zusammenzwingen, die einander sonst aus guten Gründen aus dem Wege gehen. Nichts anderes bedeutet die feige, bigotte Forderung von Polizisten, Polizei-"Gewerkschaftern", Polizei-Psychologen und Politikern, die Gesellschaft solle gefälligst selbst für ihre Sicherheit sorgen. Zivilcourage soll die Staatsgewalt ersetzen, der Gewaltmonopolist bringt nicht einmal Amtscourage auf, flieht aus der Pflicht.
Zum Thema Sanktionen fällt mir wieder mein Studium zum Sozialpädagogen ein. Das war in der Kohl-Ära nach der Wiedervereinigung, man fing gerade an, die Gelder für Jugend- und Famlienarbeit zusammenzustreichen. Schon damals wurde vorhergesagt, dass das, was jetzt in der Prävention gespart wird, in der Zukunft hundertfach zurückgezahlt werden muss.
Die neue OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2009: OECD-Indikatoren ist erschienen, allerdings findet man im Internet nur eine Zusammenfassung auf acht Seiten. In den Medien werden die Ergebnisse für Deutschland als nicht mehr als arlamierend sondern nur noch erschrecktend dargestellt. Naja, immerhin haben wir jetzt superdupa Exzellenzcluster, das hört sich schonmal gut an.
In der taz:
Gerade bei den Studienanfängern sind die Zahlen alarmierend: Zum dritten Mal in Folge ist im Jahr 2007 die Quote gesunken - 34 Prozent eines Jahrgangs gehen noch an eine Universität. Nur die Türkei, Belgien und Mexiko schneiden unter den OECD-Ländern noch schlechter ab, der Durchschnitt liegt bei 56 Prozent. Kaum tröstlich, dass im Jahr 2008 die Zahlen wieder leicht angestiegen sind.
Die Süddeusche:
Zwar beteuern die Spitzenpolitiker im Wahlkampf in jedem zweiten Satz, sie wollten mehr für die Bildung tun. Doch dann belassen sie es im Ungefähren.Frankfurter Rundschau:
Acht Jahre nach dem ersten großen Pisa-Schock gilt weiter: Deutschland geizt bei den Bildungsausgaben, produziert zu wenige Akademiker und bleibt im internationalen Vergleich immer weiter zurück.
Bei FAZ und Spiegel klingt es interessanter Weise wesentlich entspannter.
Michael Kerres macht übrigens noch darauf aufmerksam, dass diese Studie ausschließlich als Buch für 69,- € zu erhalten ist. Online ist dagegen nur die Kurzzusammenfassung erhältlich, auf deren Basis sich keine echte Diskussion führen lässt.
Nachtrag: Die komplette Studie ist doch als PDF-Datei zum Download erhältlich, allerdings nur in englischer Sprache.
Auch in Frankreich gibt es ein Projekt à la Laptops an Schulen. Im Jahr 2001 wurden 45 Millionen Euro für Laptops und Software aufgewendet (die Heise-Meldung ist allerdings etwas unkar, denn ich gehe mal nicht davon aus, dass sich die französischen Schüler mit 8 Jahre alten Laptops abmühen müssen).
Nach einer Studie von TNS Sofres gilt dieses Projekt als gescheitert:
"Die Lehrer haben ihre pädagogischen Methoden nicht geändert", sagte Ghavam. Die befragten Lehrer schoben die Schuld indes auf die Schüler: "Das größte Problem ist die Beherrschung der französischen Sprache. Die Schüler verstehen die Anweisungen auf dem Computer nicht.
Weiterlesen bei heise online.

Eben bei KoopTech gelesen:
Das Unternehmen Userful hat gestern eine Pressemitteilung veröffentlicht, wonach es im Auftrag das brasilianischen Bildungsministeriums alle Schulen in allen 5560 Gemeinden mit 356.800 virtualisierten Computer-Arbeitsplätzen auf Linux-Basis ausstatten wird. Damit sollen die 2,7 Mio. Schulkinder in Brasilien Zugang zu einem PC erhalten. Das soll damit die weltweit größte virtuelle Desktop-Installation sowie der weltweit größte Linux-Desktop-Einsatz sein.
Die Pressemitteilung bei Userful: Userful and ThinNetworks Announce the World's Largest Desktop Virtualization Deployment - 356,800 Green Workstations.
Am letzen Webmontag hatte Frank Bartels über die »digitale Schultasche« des IQSH berichtet. Im Grunde ist das ein USB-Stick mit den gängigsten Programmen in einer portablen Version (d.h. sie laufen komplett vom USB-Stick und benötigen keinen Schreibzugriff auf Festplatte oder Windows-Registry). Das besondere ist hier, dass daneben auch ein Webserver mit der Anwendung »WeLOAD« läuft. Der Name ist eine Anlehnung an ReLOAD, einem Metadaten-Editor und Content-Packager, der Inhalte als SCORM- oder IMS-Content-Pakete publizieren kann. Mit WeLOAD geht das über ein Web-Interface. Dabei werden Lerninhalte, in der Regel Dateien, mittels Drag & Drop arrangiert. Daraus baut WeLOAD dann die Content Packages.
Beim SCORM-Standard stehen die Räder auch nicht still. Mit »SCORM 2004« hatte sich schon vieles gegenüber »SCORM 1.2« verbessert. Nun wird aber auch schon fleißig an »SCORM 2.0« gewerkelt, während gerade eine überarbeitete Version von SCORM 2004 veröffentlicht worden ist. An der Zeitlinie kann man schon erkennen, dass der Standardisierungsprozess im Verhältnis zum allgemeinen Entwicklungstempo im Web eher gemächlich voranschreitet. Darum gibt es Überlegungen, neben dem nächsten offiziellen SCORM-Standard auch eine etwas freie Variante zu entwickeln, in dann kurzfristig an aktuelle Entwicklungen angepasst werden kann.Beim lesen des Blogeintrags SCORM 2.0 and beyond LETSI seminar (via Stephen Downes) ist mir dann aber doch etwas unwohl geworden. Die Idee dahinter ist zunächst einleuchtend: auf der einen Seite den wohldurchdachten, allseits abgestimmten Standard, auf der anderen Seite der sich ständig im Fluss befindliche Orientierungsrahmen, innerhalb dessen man Content Packages entwickeln kann. Das erinnert mich an das Entwicklungsmodell bei Debian. Die langen Entwicklungszyklen bei Debian sind berühmt-berüchtigt und man hat sich damit abgefunden, dass man, wenn man eine relativ aktuelle Software-Distribution haben möchte, einfach den unstable-Zweig von Debian verwendet. Man akzeptiert damit quasi eine unfertige, mit großen Risiken behaftete Softwaredistribution. Gleichzeitig sinkt die Notwendigkeit, ein halbwegs aktuelles Stable-Release zu veröffentlichen. Und das ist das weniger schöne an diesem Konzept.
Aus der E-Mail einer entrüsteten Lehrerin:
At this point, I am not sure what you are doing is legal. No software is free and spreading that misconception is harmful. These children look up to adults for guidance and discipline. I will research this as time allows and I want to assure you, if you are doing anything illegal, I will pursue charges as the law allows. Mr. Starks, I along with many others tried Linux during college and I assure you, the claims you make are grossly over-stated and hinge on falsehoods. I admire your attempts in getting computers in the hands of disadvantaged people but putting linux on these machines is holding our kids back.
Weiterlesen im Blog of helios: Stop holding our kids back.
[via fefe]
Update: Kris hat in einem Update zur Geschichte auf den guten™ Ausgang hingewiesen: Echtes Heldentum und ein spontaner Ausbruch gesunden Menschenverstandes.
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