Medienkompetenz

Medienkompetenz: 1998 - 2009


Dieser Bericht liest sich (wie auch vergangene Berichte) toll, und zumindest ich frage mich: was muss endlich geschehen, damit dies nicht nur auf Ministeriumspapier gedruckt wird, sondern auch in die Lehrerbildung direkt einfliesst?

Bei diesem Kommentar vom Mandy Schiefner zum »Bericht der Expertenkommission des BMBF zur Medienbildung« – Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur viel mir wieder eine Bundestagsdrucksache aus dem Jahr 1998 ein: Schlußbericht der Enquete-Kommission Zukunft der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft – Deutschlands Weg in die Informationsgesellschaft.

Im Expertenbericht des BMBF zur Medienbildung heißt es 2009:

Diese Kompetenzen sind im Folgenden nach vier Themen- und Aufgabenfeldern gegliedert:

  1. Information und Wissen
  2. Kommunikation und Kooperation
  3. Identitätssuche und Orientierung
  4. Digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln

Und im Bericht der damaligen Enquete-Kommission 1998:

Daraus lassen sich folgende Kompetenzen ableiten, die für die Zukunft der Gesellschaft von großer Bedeutung sind:

  • Technische Kompetenz,
  • Kompetenz zum Wissensmanagement,
  • Soziale Kompetenz,
  • Kompetenz zur persönlichen Entscheidungsfindung,
  • Demokratische Kompetenz.

Michael Kerres und Jochen Robes haben ebenfalls was zum Thema geschrieben.

Nach 11 Jahren könnte man ja eigentlich erwarten, dass die jetztigen Autoren mit ein wenig der 1998 geforderten Medienkompetenz an den Start gegangen sind. Aber es ist immer noch die Rede von der »Jugend« (hehe).

Umfrage zum Umgang mit Computer an Schulen


  • 28% der befragten Schüler nutzen in der Schule gar nicht den Computer.
  • 36% der befragten Schüler nutzen in der Schule einen Computer weniger als zwei Schulstunden pro Woche.
  • 58% der befragten Schüler haben sich den Umgang mit dem Computer selbst beigebracht.
  • Computer werden vor allem im Informatikunterreicht eingesetzt, also als Lehrgegenstand, nicht als Lern- oder gar Kulturwerkzeug.
  • 87% der befragten Schüler gaben an, dass sie Computerkenntnisse später im Beruf für sehr wichtig oder wichtig halten.

Das sind einige Zahlen aus einer von der »Initiative IT-Fitness« in Auftrag gegeben Umfrage unter 1001 Schülern.

Leider betrachte ich diese Initiative etwas zwiespältig auf Grund des starken Einflusses durch Microsoft. So ist der »IT-Fitness-Test« ein strikt auf Microsoft-Produkte ausgerichteter Fragebogen. Nach einer groben Durchsicht komme ich auf 27 von den 42 Testfragen, die sich auf Microsoft-Anwendungen beziehen. Es geht mit Fragen zu Windows los (»Auf dem Bild sehen Sie die Systemsteuerung. Worauf müssten Sie klicken, um eine Liste der installierten Software zu sehen?«), dann sind Word (»Mit den sogenannten Smarttags (= 'intelligente Etiketten') stellt Word eine Möglichkeit zur Verfügung, um ...«)und Excel (»Worauf müssen Sie klicken, um eine neue Tabelle in die bestehende Arbeitsmappe einzufügen?«) dran um dann noch ein wenig Internet Explorer (»Mit welchem Symbol in der Symbolleiste lässt sich aufzeigen, wann Sie wo im Internet gewesen sind?«) und Outlook (» Über 'Extras' kommen Sie zu dem Dialogfenster 'Optionen'. Unter welchem Register können Sie eine persönliche 'AutoSignatur' erstellen?«) kennen zu lernen). Und auch die im Trainingsbereich zu findenden Lernangebote für Lehrer und Schüler stammen zu einem Großteil von Microsoft.

Weiterlesen:

[vis heise online]

Medien, Lernen, Handlungskompetenz


Ich versuche gerade ein paar Gedanken einen gemeinsamen Rahmen zu geben:

  • SPIEGEL Titelstory »Der Preis der Angst - Wie der Terrorismus den Rechtsstaat in Bedrängnis bringt«
  • Verabschiedung des Hackerparagraphen
  • Jugendmedienschutz (da ich gerade das Chaosradio 125 gehört habe).

Der neue »Hackerparagraph« ist eigentlich nur bei Politikern umstritten. Bei allen, die mit dem Thema Computeradministration oder Softwareentwicklung zu tun haben, löste das Gesetz dagegen nur Kopfschütteln aus. Mit der Verabschiedung hat der Chaos Computer Club die Unsinnigkeit des Gesetzes mit einem herrlichen Bild einer Blümchenwiese dargestellt:

Per Gesetzesänderung (§202c StGB) hat die Bundesregierung das Internet wieder zur Blümchenwiese gemacht. Da es keine Sicherheitsprobleme mehr gibt, brauchen wir jetzt auch keine Sicherheitswerkzeuge mehr.

Ebenso wie die Bestrebungen im Bereich Jugendmedienschutz und der Automatismus des Rufs nach dem Verbot von irgendwelchen »schrecklichen Killerspielen«, sobald irgendwo in der Republik etwas passiert. Sachlich ist so etwas aus medienpsychologischer Sicht überhaupt nicht zu begründen. Aber das Vorgehen der Politik zeigt eine gewisse Parallele zu den Vorgängen um den Hackerparagraphen: Die Politik agiert quasi entkoppelt von den Vorgängen der letzten 15 Jahren im Internet. Manchmal meine ich sogar das ängstliche Unbehagen in den Gesichtern der Mandatsträger greifen zu können, wenn diese sich zum Thema Internet und neue Medien äußern (müssen). Dennoch wird so agiert wie gewohnt, am Liebsten mit Verboten und strengen Regularien. Dass das den anderen politischen Forderungen, z.B. nach lebenslangen Lernen, Medienkompetenz und Handlungskompetenz (sic!) völlig widerspricht, wird nicht wahrgenommen.

Vielleicht ist es ja wirklich Zeit für einen Paradigmenwechsel in unserer gesellschaftlichen Elite. Enge Strukturen, Gebote, Formalismen, das können die falschen Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft sein. In einer sehr komplexen Welt kann der »Vater Staat« vielleicht einfach nicht mehr alle Lebensentwicklungen vorausplanen und steuern und sollte seinen »Schäfchen« vielleicht anderes Rüstzeug mit auf den Weg geben. Medienkompetenz. Handlungskompetenz. Sozialkompetenz. – Selbständigkeit.

Medienkompetenz! Das fordert die Politik seit 1998


Kinder machen nicht nur Lärm. Kinder können auch ganz unschuldig nach einfachen Dingen fragen, und die Befragten verstecken sich dann nicht hinter wolkigen Floskeln. Wenn man sich also fragt, wie denn manch abstruse politische Entscheidung oder Inititative zustande gekommen sein mag, dann sollte man sich einfach mal einen Filmbeitrag der Kinderreporter im ARD-Morgenmagazin ansehen. Die in dem Beitrag ihre totale Internet-Unwissenheit offenbarenden Politker sind genau jene, die entweder das zukünftige Medienrecht entwickeln, über wirtschaftliche Zukunft oder Medienkompetenz parlieren.

Weiterlesen bei netzpolitik.org: Kinderreporter fragen Politiker nach dem Internet.

Eilmeldung: Mangel an Medienkompetenz immer noch ein stark unterschätztes Phänomen


In dem Interview, das sich stellenweise wie eine Realsatire liest, behauptet der BKA-Chef, dass sich nur mit der Online-Durchsuchung die "Schlüssel" finden lassen, mit denen sich die Online-Verstecke im World Wide Web öffnen lassen. Wie eine Online-Durchsuchung am Tätercomputer "vor der Verschlüsselung oder nach der Entschlüsselung" im Detail aussehen soll, dazu wollte sich der BKA-Chef nicht öffentlich äußern.

Die Meldung auf heise online zum Interview des BKA-Präsidenten Jörg Ziercke in der taz.

Weiterlesen: Reaktionen in der Blogosphäre.

Elitären Ballast abwerfen


Das Wort zum Freitag heute von acw im eduFutureBlog:

Was mich beim Betrachten der visualisierten Milieustruktur nachdenklich stimmt: Wir sinnieren hier, wie modernes, ansprechendes und menschengerechtes Lehren/Lernen möglich werden kann – derweil reflektieren wir nur über den Zugang zu einem Bruchteil der (bundesdeutschen) Gesellschaft.

Amen.

Weiterlesen:

Information Worker 2006


Früher, als ich noch Student war, habe ich gerne anderen Leuten bei Ihren Computerproblemen geholfen. Bis eines Tages dann der Bekannte eines Bekannten eines Freundes morgens vor meiner Tür stand, seinerseits Selbständiger und mit einem penetranten Computerproblem geschlagen. Der gute Mensch hatte gleich seinen Computer mitgebracht und wollte ihn in meiner Studentenbude aufbauen, damit ich mir das »mal eben« ansehen. Er wollt mir sogar 50 Mark dafür zahlen. An jenem Tag war dann erst mal Schluss mit meiner uneingeschränkten Menschenfreude.

1998 hatte ich mich dann mit Tux, dem Linux-Maskottchen angefreundet. Seit dem Zeitpunkt bin ich eigentlich nur noch blutiger Laie, was Windows-Installation angeht. Berufsbedingt habe ich auch gar nicht mehr die Zeit, anderen Leuten bei deren Rechnerproblemen zu helfen. Aber ab und zu helfe ich gerne Freunden oder in der Verwandschaft aus.

So auch wieder letztes Wochenende. Eine Familie, liebe Freunde, hatten sich einen neuen Computer gekauft. Die Familie, das sind stolze Eltern mit ihren vier Kindern, darunter eine just mit 2. Staatsexemanen besiegelte Juristin und eine angehende Tiermedizinerin. Diese gebildeten Menschen sahen sich außerstande, einen neuen Rechner so mit Software zu bestücken und zu konfigurieren, dass sie mit dem Computer arbeiten können.

Warum ich das erzähle? Nun, manchmal sind es diese kleinen Erfahrungen, die für den notwendigen Realitätsabgleich sorgen, wenn z.B. mal wieder von nebulösen Dingen wie dem »Information Worker« oder der Zukunft der Bildung die Rede ist.

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