Medien

Ein Lehrstück (-video)


Bestes Bildungsmaterial aus Studentenhand.

Dazu das Interview auf jetzt.de mit dem Ersteller des Videos, dem Bremer Studenten der Rechtswissenschaften Matthias Dittmayer:

Mir geht es darum, dass die öffentlich-rechtlichen Sender es nicht schaffen, PC-Spiele sachlich und inhaltlich richtig darzustellen, und zum Teil negativ verfälschend über das Thema berichten. Ausgelöst an dem Beitrag in Panorama, aber ich zeige in dem Video auch Beispiele aus Hart aber Fair, Kontraste und Frontal 21.

[via Stefan Niggemeier]

Update: Ein interessanter Kommentar von Peter Steinlechner bei Stefan Niggemeier (Hervorhebung von mir):

ich verfolge die „Killerspiel”-Berichterstattung als Branchen-Insider (früher Redakteur, jetzt PR) schon länger und kann nur sagen: Ja, was viele als seriös geltende Medien über Spiele schreiben, ist zum Teil unfassbar schlecht recherchiert, tendenziös und unsachlich. Und ich kann mich an viele Spieler – und in der jüngeren Generation ist fast jeder Spieler – erinnern, die in Foren irgendwann geäußert haben, den Medien nicht mehr vertrauen zu können. Tyisch waren Beiträge a la „Wenn FAZ/ARD/ZDF nicht mal über Spiele korrekt berichten, was schreiben die dann wohl über Politik/Atomkraft/Kriege ect. für Unwahrheiten”. Eine öffentliche Debatte über Medienstandards und journalistische Arbeit ist überfällig. Am ehesten wären dazu ja eigentlich die öffentlich-rechtlichen in der Lage, weil eigentlich unabhängig – aber da fehlt wohl der Mut, sich mit den Kollegen in der Wirtschaft anzulegen.

Verdammtes Internet! Verdammtes Web 2.0!


Momentan mache ich die Feinplanung für einen Bildungsurlaub zum Thema Social Software. Dabei geht es um die vielleicht vorhandenen gesellschaftlichen Veränderungen durch die sich ausweitende Vernetzung und natürlich durch die Verwendung von Social Software. Und dabei platzt einem dann diese Meldung rein:

Am Freitag, dem 30. November 2007, steht das Thema Vorratsdatenspeicherung im Bundesrat auf der Tagesordnung. Das im Bundesrat verabschiedete Gesetz geht dem Rechtsausschuss der Länderkammer nicht weit genug. Dennoch soll es zunächst einmal durchgewunken werden. Dem Bundesrat geht es vor allem darum, Rechteinhabern wie der Musik- oder Filmindustrie den Zugriff auf die auf Vorrat gespeicherten Kommunikationsdaten zu ermöglichen.

Warum wollte man nochmal die Vorratsdatenspeicherung? Diesen massiven Eingriff in die informationelle Selbstbestimmung? Terrorabwehr? Schwerstkriminalität? Nein, es geht um Bagatelldelikte, den Musik und Video saugenden Jugendlichen. In einem lichten Moment habe ich mich dann gefragt, warum sich die Politik vor den Karren der Medienindustrie spannen lässt. Und habe mir dann die Antwort gegeben, dass sich da zwei Ertrinkende gegenseitig Sand unter die Füße schmeißen. Der Medienindustrie geht nämlich das Geschäftsmodell verloren: Wir brauchen das Distributionsmedium »Datenträger« nicht mehr, genauso wenig wie Künstler teure Promo-Atkionen und klitzekleine Tantiemen tolerieren müssen. Auf der anderen Seite kommt der Politik, vor allem den älteren Jahrgängen, das klassische Mediengeschäft — ein Sender, millionen Empfänger — abhanden. Mit dem damit verbundenen Kontrollverlust.

Zu allem Überfluss habe ich dann auch noch im Deutschlandfunk den Wiefelspütz gehört. Normalerweise mach ich bei den meisten Interviews leise. Denn ich bin, wie mir letztens eine Freundin attestiert hat, ein »Fremdschämer«. Aber Wiefelspütz wollte ich denn doch hören, wie er den jüngsten Coup rechtfertigt (man hat mit einem Trick eine Gesetzesänderung durchbekommen, die die Speicherung von Videos von Überwachungskameras auf Bahnhöfen und Flugplätzen von zwei auf dreißig Tage ausdehnt). Wiefelspütz hat es tatsächlich geschafft, die Schuld auf die Opposition zu schieben, da diese »nicht ihre Hausaufgaben gemacht hat«. Und dann hat er noch auf die Frage, wann denn der Zugriff auf die Mautdaten gesetzlich in Angriff genommen werden soll, ausweichend geantwortet (sinngemäß): Deutschland sei das demokratischte Land dieser Welt und man solle sich bitteschön nicht so aufregen.

Dann ist ja alles gut.

Rechtliche Sonderbehandlung von Tauschbörsennutzern


Auf Telepolis ist ein Artikel über die Verurteilung von »sk0t«, der Admin der Trackersite »Elite Torrents«, erschienen. Der US-Amerikaner muss im Zuge der Urteilsvollstreckung auf Linux als Betriebssystem verzichten und Windows benutzen. Süffisanter Titel des Beitrags: »Windows als Strafe«.

Interessant ist der letzte Teil des Beitrags. Dort wird eindringlich darauf hingewiesen, wie sehr sich die Rechtssprechung durch die Lobbyarbeiten der Medienindustrie verändert hat:

Die Regelung ist ein Beispiel dafür, wie sich das Strafrecht sowohl in den USA als auch in Europa immer mehr von den Gerechtigkeitsvorstellungen breiter Bevölkerungsschichten entfernt: Während vor allem jugendliche Gewalttäter eine höhere zweistellige Zahl von Straftaten anhäufen dürfen, bevor sie in Haft genommen werden [...], werden immer mehr Vorschriften in das Strafrecht aufgenommen, deren Übertretung sich weder auf den Dekalog noch auf Mehrheiten im Rechtsempfinden der Bevölkerung stützen kann.

Die Tatsache, dass die "Operation D-Elite", in deren Rahmen die Hausdurchsuchung bei McCausland durchgeführt wurde, vom offiziell zur Bekämpfung des Terrorismus eingerichteten Department of Homeland Security (DHS) angeordnet worden war, weist auf ein weiteres Problem hin: Mit dem Argument des Terrorismus werden immer mehr Elemente des Bürgerstrafrechts durch ein Feindstrafrecht ersetzt. Da in die Regelungen aber keine wirksamen Sperren eingebaut werden, die Nicht-Terroristen schützen, sind die Leidtragenden solcher Regelungen meist keine Terroristen, sondern Bürger, deren Vergehen zudem häufig in den Bereich der "opferlosen Straftaten" fällt.

Trupoli: Ist das Lobbyismus 2.0?


Trupoli, das soll eine unabhängige und transparente Politik-Community werden. Der Spiegelfechter hat da seine Zweifel:

  • Der CEO Stumpe war vorher Projekt Manager bei Teltschik Associates, einer einflussreichen Politikberatungsfirma des ehemaligen Kohl-Beraters Horst Teltschik.
  • Die Geldgeber kommen von der Firma Sirius Venture Partners, die wiederum laut Spiegelfecher eine gewisse Nähe zur Bertelsmann-Gruppe hat
  • Bertelsmann, da schrillen die Alarmglocken...

Dass Trupoli wirklich ein »trojanisches Pferd im politischen Web 2.0« ist, bleibt unklar. Aber skeptisch bin ich schon. Wenn ich ein dunkler Mastermind wäre, dann würde ich eine solche Plattform sich zunächst schön entwickeln lassen und erst allmählich meinen Einfluss geltend machen.

Interviews im Web 2.0


Eines der schönen Dinge am Web 2.0 ist ja, dass man Radio und Fernsehen in beliebiger Qualität bekommen kann. Wo außer im großen Sommerinterview darf ein Internview noch geschlagene 15 Minuten Sendezeit verschleudern?

Beim Elektrischen Reporter aka Mario Sixtus kann man Jimmy Wales lauschen oder Peter Schaar zuhören, dem gegen Windmühlenräder anrennenden Datenschutzbeauftragten, der sein Interview mit einer kleinen Ohrfeige eröffnet:
Hier erwarte ich von der Öffentlichkeit wesentlich kritischeres Herangehen, das auch viel Stärker nach Sinn, Zweck und Verhältnismäßigkeit gefragt wird.
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