Ein wunderbares, weil sehr emotionales Video zum Thema Lernen heuten, erstellt von Studenten der Kansas State University:
[via Hajo]
Das passt zur jüngsten Diskussion um Lehrer und Internet: Die Idee des Edupunk, was sich eingedeutscht als Bildungs-Punk nur noch halb so sexy anhört. Für mich ist der Begriff Edupunk neu und ich habe ihn mir auch noch nicht erschließen können. Soweit ich es bisher verstanden habe, steckt dahinter die nicht unsympathische Idee der antiautoritären Erziehung (und wie Downes anmerkt, ein wenig Infantilismus).
Das ist doch interessanter Lesestoff für die nächsten Tage:
Über die Exzellenzinitiative hatte ich schon mit wenig Begeisterung berichtet. Nun lese ich in einem Artikel der c't 10/2008 über den ersten Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten für die Informationsfreiheit, dass die Bewertungskriterien für die Exzellenzhochschulen nicht öffentlich sind:
Konkret hatte er beim BMBF sowie bei der DFG und dem WR Zugang zu Informationen über die Durchführung der Exzellenzinitiative, insbesondere zu den Berichten über die Bewertung einer Universität durch internationale Gutachter im Rahmen der ersten Auswahlrunde der Exzellenzinitiative, beantragt. Diese Informationen wurden ihm weitgehend nicht zur Verfügung gestellt.
Ich weiß nicht, was ich beunruhigender finden soll: Dass wichtige Grundlagen, nach denen unsere Hochschullandschaft umgebaut wird, im stillen Kämmerlein besprochen werden. Oder dass diese Entscheidungen von privatrechtlichen Organisationen wie »Deutsche Forschungsgemeinschaft« und »Wissenschaftsrat« getroffen werden.
Weiterlesen: Tätigkeitsbericht zur Informationsfreiheit für die Jahre 2006 und 2007, Kap. 4.14.1 (PDF).
In der FAZ ist heute ein Beitrag über E-Learning an Universitäten zu lesen: »E-Universität. Das zweite Leben der Hochschulen.« Leider beginnt der Artikel gleich mit Klischees (»Statt sich im Morgengrauen aus dem Bett zu schälen und auf Heizkörpern in überfüllten Hörsälen zu sitzen, verfolgen manche Studenten ihre Vorlesungen schon als Video- oder Audio-Podcast daheim am Rechner, wenn es ihnen zwischen Job und Kneipenbesuch gerade passt.«), die Autorin Dorte Huneke hat dann aber doch einige interessanten Stimmen eingeholt. In dem Beitrag schlägt sie einen Bogen von beispielhaften E-Learning-Projekten und was E-Learning eigentlich bedeutet hin zu den Anforderungen an Lehrende und Lernende und einem Ausblick in die Zukunft (»Digitale Seminare tauschen wie Klingeltöne«).
Barbara Kehm im Interview mit der Süddeutschen zur Exzellenzinitiative:
Bei der Exzellenz-Initiative stand nie eine gute Lehre im Fokus. Es geht um Forschung und Forschungsreputation. Hochschulen, die jetzt gefördert werden, werden sicher bald die Auswahlkriterien ihrer Studierenden verschärfen und die Studiengebühren erhöhen.
Keine schönen Aussichten. Ähnliches hat ja auch schon Michael Hartmann gesagt.
Weiterlesen bei der Süddeutschen Zeitung: »Das sind doch nicht die besten Hochschulen!«
[via seblogging]
Stephan List hat den Eintrag »Ideologische Scheuklappen« aufgenommen und dabei auf eine Diskussionen mit Michael Hartmann im SWR2-Forum verwiesen. Wie Stephan es schon andeutete, war die Diskussion nicht wirklich spannend. Aber ein Zitat von Hartmann ist mir haften geblieben, weil die meiner Meinung sehr anschaulich einen Aspekt zur Exzellensinitiative beschreibt (Time Code: 20:04 min):
Die öffentlichen Hochschulen sind seit über 20 Jahren mehr und mehr unterfinanziert. Nun ist die Frage, wie kommt man da raus. Und die Lösung, die von diesem Teil der Hochschulen wie auch der Forschung gefunden worden ist: Wir lassen einen größeren Teil abrutschen und ein kleinerer Teil bekommt zusätzliche Gelder. Dieser kleinere Teil [...] besteht natürlich aus den Institutionen, die in dem Feld Wissenschaft besonders durchsetzungsfähig sind. [...] Ich glaube, das Wirksame ist dabei, dass sie selber auch der Überzeugung sind, dass das für den Forschungsstandort Deutschland das Beste ist. Das aber andere Alternativen überhaupt nicht mehr durchdacht werden. [...] Also die Frage, ob es vielleicht möglich ist in der Breite die Qualität die wir bisher hatten, die unsere im interationalen Vergleich sehr hohe Qualität des Hochschulsystems ausmachte, durch vernünftige Finanzierung zu erhalten, ist vollkommen aus dem Blickwinkel.
Quelle: SWR2 Forum 20.11.2006 (MP3-Stream hören)
Ich stöbere gerade in »Wissen und Eigentum«.
Ein interessantes Zitat zum Thema Urheberrecht in Wissenschaft und Lehre, es geht um den §52a:
Tatsächlich ergeben sich in Bezug auf die Unterrichts- und Forschungsschranke im Detail so viele schwierige Rechtsfragen, dass ein Laie kaum jemals sicher sein kann, ob diese für seinen Fall überhaupt anwendbar ist. Schon der Anwendungsbereich der Schranke ist so eng und unklar formuliert, dass die Beurteilung, ob die Regelung im jeweiligen Einzelfall gilt, meist äußerst schwierig ist.
[...]
Nicht zuletzt aufgrund der zeitlichen Beschränkung sind dem Nutzen der Unterrichts- und Forschungsschranke erhebliche Grenzen gesetzt. So ist es beispielsweise kaum ratsam, in dauerhaften E-Learning-Projekten fremde Werke zu verwenden, ohne hierfür – mit Blick auf die Schrankenbestimmung – Nutzungsrechte zu erwerben.
Quelle: Till Kreutzer: Das Spannungsfeld zwischen Wissen und Eigentum im neuen Urheberrecht. In: Jeanette Hofmann (Hg.): Wissen und Eigentum.
Zwei provokante Statements von Prof. Arnold (Uni Kaiserslautern) auf der gestrigen Veranstaltung:
Rolf Arnold betonte auch, dass das so genannte 80/20-Paradoxon (nur 20% seines Wissens eignet sich ein Mensch durch didaktisch organisierte Lernsituationen an, die ganzen 80% dagegen nicht-formal und informell) zwar durch Studien und Forschungen z.B. der Gehirnforschung immer wieder bestätigt wird, dies aber keinen Niederschlag in der Hochschullehre wiederfinden würde.
Der gestrige Abend war auch aus anderen Gründen interessant. Einige Vertreter aus Hochschule und Wirtschaft haben versucht sich auszutauschen, aber wirkliche Kommunikation war das dann doch nicht. Eher eine Art Mitteilung von Standpunkten. Ich glaube, da muss noch viel geübt werden...
Passend zum Besuch der diese Woche laufenden Veranstaltung »eUniversity – Update Bologna« werden an anderer Stelle gerade ein paar Einblicke in die Lehre an Hochschulen gewährt. Für mich persönlich sehr gruselig ist ein Foto, das Michael Kerres von einem Seminarraum gemacht hat. In solchen Räumen saß ich zu Studienzeiten auch schon ... *brrr*. Das passt zur Aussage von Peter Baumgartner: »Wir haben eine sehr miese didaktische Situation in der Lehre an der Hochschule, ob nun mit E-Learning oder ohne E-Learning.« (Quelle: Konzeptblog).
In diesem Zusammenhang fällt mir auch noch ein Interview mit Michael Hartmann in der taz zur Exzellenz-Initiatve ein: »Es ist eine Illusion, zu glauben, dass die 75 Rest-Unis künftig bessere Ausbildung bieten. Das Geld reicht angesichts zu erwartender Studentenzahlen nicht mal, um das jetzige schlechte Niveau zu halten.« Was mich nicht erst heute wundert: Von Studentenprotesten ist viel zu lesen und zu hören. Aber was ist mit den Lehrenden? Das muss doch für diese eine sehr unbefriedigende Situation sein (wie es in den Blogeinträge ja schon anklingt).
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