Hochschule

Universtitäts- und Landesbibliothek Darmstadt darf selbst digitalisierte Werke nicht mehr ausdrucken


Eine interessante Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Frankfurt in einem Rechtsstreit zwischen der TU Darmstadt und dem Ulmer Verlag. An der Bibliothek hat man Bücher und Zeitschriften digitalisiert und diese Daten an speziellen Leseplätzen den Nutzern zur Verfügung gestellt. Die Nutzer, also beispielweise Wissenschaftler oder Studenten, dürfen mit dem Urteil nun nicht einmal einen Absatz aus einem solchen Werk ausdrucken. Aus der Pressemitteilung der TU Darmstadt:

Grundsätzlich bestätigt zwar auch das OLG Frankfurt das neugeschaffene Recht der Bibliotheken, in ihrem Besitz befindliche Druckwerke auch neueren Datums unabhängig von eventuell bestehenden Verlagsangeboten zu digitalisieren. Erlaubt ist auch, die so gewonnenen Dateien Nutzern an besonders eingerichteten elektronischen Leseplätzen in den Räumen der Bibliothek zur Lektüre zur Verfügung zu stellen. Dennoch werden die Rechte der Leser nun entscheidend eingeschränkt. Das in § 53 UrhG grundsätzlich verankerte Recht auf Privatkopie zum wissenschaftlichen Gebrauch soll hier nicht greifen.

Die Angst vor dem Internet oder aber die Gier muss in der Verlagsbranche grenzenlos sein. Die Rechteverwerter sind auch die treibende Kraft hinter den Bemühungen, eine europäische Three-Strikes-Regelung hinzubekommen, nach der Nutzern der Internetanschluss mit der dritten Urheberrechtsverletztung (für ein Jahr?) gekappt werden soll. Diese Regelung soll wahrscheinlich nur für Privatpersonen gelten, zu groß dürfte die Gefahr für Unternehmen sein. Man stelle sich nur mal vor, dem Spiegel-Verlag kappt man die Internetleitungen, weil bei Spiegel Online wiederholt Wikipediainhalte als die eigenen ausgegeben worden sind.

Weiterlesen bei heise: OLG Frankfurt schränkt Nutzerrechte in Bibliotheken ein.

Neue OECD-Studie: »Ungebildetes Deutschland«


Die neue OECD-Studie Bildung auf einen Blick 2009: OECD-Indikatoren ist erschienen, allerdings findet man im Internet nur eine Zusammenfassung auf acht Seiten. In den Medien werden die Ergebnisse für Deutschland als nicht mehr als arlamierend sondern nur noch erschrecktend dargestellt. Naja, immerhin haben wir jetzt superdupa Exzellenzcluster, das hört sich schonmal gut an.

In der taz:

Gerade bei den Studienanfängern sind die Zahlen alarmierend: Zum dritten Mal in Folge ist im Jahr 2007 die Quote gesunken - 34 Prozent eines Jahrgangs gehen noch an eine Universität. Nur die Türkei, Belgien und Mexiko schneiden unter den OECD-Ländern noch schlechter ab, der Durchschnitt liegt bei 56 Prozent. Kaum tröstlich, dass im Jahr 2008 die Zahlen wieder leicht angestiegen sind.

Die Süddeusche:

Zwar beteuern die Spitzenpolitiker im Wahlkampf in jedem zweiten Satz, sie wollten mehr für die Bildung tun. Doch dann belassen sie es im Ungefähren.
Frankfurter Rundschau:
Acht Jahre nach dem ersten großen Pisa-Schock gilt weiter: Deutschland geizt bei den Bildungsausgaben, produziert zu wenige Akademiker und bleibt im internationalen Vergleich immer weiter zurück.

Bei FAZ und Spiegel klingt es interessanter Weise wesentlich entspannter.

Michael Kerres macht übrigens noch darauf aufmerksam, dass diese Studie ausschließlich als Buch für 69,- € zu erhalten ist. Online ist dagegen nur die Kurzzusammenfassung erhältlich, auf deren Basis sich keine echte Diskussion führen lässt.

Nachtrag: Die komplette Studie ist doch als PDF-Datei zum Download erhältlich, allerdings nur in englischer Sprache.

Die Crux mit iTunes U und ähnlichen Diensten


Nachdem deutsche Univeristätsbibliotheken in der »Abofalle« der Wissenschaftsjournale stecken (mittlerweile sind ca. 60% des jährlichen Bibliotheksetats für die wissenschaftlichen Zeitschriften fällig), müsste man doch eigentlich als Universität ein gebranntes Kind sein und demzufolge große auch einen großen Bogen um digitale Distbutionsdienstleister wie beispielsweise Apple mit seinem iTunes U machen. Aber das Gegenteil scheint gerade der Fall zu sein.

Derek Morrison hat dazu einen sehr lesenwerten Beitrag geschrieben: They’re coming to take your content away! Darin beschreibt er ziemlich eindringlich, wer die Hoheit über die Distribution der Inhalte haben wird:

Let’s reflect on these last two possible futures for a moment. It is very feasible, and some would argue desirable, that much of the knowledge currently encapsulated in paper books and journals becomes more and more deliverable via an academic iTunes/iPod -like service, i.e. the marriage of a ubiquitous highly usable display/navigation device (like a future generation multimedia/networked ebook) with one or more HE sector approved “filling station” services. But who will be controlling the devices and who will be controlling the filling stations? In other words who will be sending the “fill” and “kill” signals?

Universities may like to think that it will be them; but will it?

Weiterlesen bei The Auricle: They’re coming to take your content away!

[via Stephen Downes]

Web 2.0 vs. iTunes U


Ah, auch woanders reibt man sich an iTunes U. Stephen Downes mach auf einen Beitrag von Andy Powell auf der Mailingliste JISC-Repositories aufmerksam:

There's an interesting discussion taking place on the JISC-Repositiories mailing list over whether universities should use iTunes to distribute audio and video content, or whether it should use its own website. As some commentatoprsa noted, universities can use both. Fine, but what is the consequence of that.

Weiterlesen auf der JISC-Repositiories Mailingliste: Andy Powell: Re: Web 2.0 vs iTunes U ?

Heidelberger Appell: Die Angst der Verlage


Ich will nicht abstreiten, dass Roland Reuß mit seinem Heidelberger Appell zutiefst redliche Absichten verbindet. Allerdings fehlt mir da bei der Verquickung von so völlig verschiedenen Dingen wie Open Access und Google Books einfach der naive Glaube, dass kein U-Boot des Verlagswesens Stellung bezogen hat.

Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages haben sich mit dem Heidelberger Appell einmal näher beschäftigt. Zu Open Access heißt es:

REUß befürchtet, dass Angehörige von Universitäten, also Wissenschaftler, von ihren Hochschulen verpflichtet würden, ihre Forschungsergebnisse auf dem Hochschulserver abzulegen. Dadurch würde unter anderem leichtfertig die bewährte Infrastruktur mittelständischer Wissenschaftsverlage aufs Spiel gesetzt.

[…]

Dagegen verbinden Befürworter mit dem Open Access-Modell eine Stärkung der Autorenrechte (GERSMANN, 2009b: 4. Absatz). WERNER (2009: 27) wertet die Open Access-Bewegung sogar als „fälligen Einspruch gegen die Selbstausbeutung der Wissenschaftler gegen die Preisdiktate mancher Großverlage“. Wissenschaftler hätten die Möglichkeit, breit rezipiert zu werden, und könnten auch die Rechte an ihren Werken behalten, so dass auch eine Veröffentlichung bei einem Verlag mit einfachem Nutzungsrecht weiterhin möglich sei.

[…]

Im Appell wird nicht erwähnt, dass es zwischen Autor und Fachzeitschriftverlag oft ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis zu Lasten des Autors gibt. So werten SPIELKAMP und CRAMER (2009) Open Access als eine Selbsthilfebewegung von Wissenschaftlern, die sich von den großen Wissenschaftsverlagen enteignet gefühlt hätten. Sie hätten ihre Oligopolstellung ausgenutzt und die Preise für ihre Fachzeitschriften, in denen Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse und -erkenntnisse austauschen, in den letzten Jahren drastisch erhöht (bis zu 30% pro Jahr).

[…]

Des Weiteren erhalten Wissenschaftler in der Regel keine Vergütung von den Verlagen für ihre Artikel. Sie müssen aber oftmals alle Rechte an ihren Beiträgen abtreten. Nicht selten müssen sie für die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse erhebliche Druckkostenzuschüsse an die Verlage zahlen, die jeweils bis zu mehreren Tausend Euro betragen können.

[…]

Im traditionellen Veröffentlichungsverfahren werden noch weitere problematische Gegebenheiten angemerkt. GERSMANN (2009a) und REICHERT (2009: 2) sehen eine mehrfache staatliche Subvention für private Verlage. Zunächst würden mit staatlichen Mitteln staatlich bestallte Wissenschaftler an staatlichen Universitäten, in staatlichen Forschungseinrichtungen, Laboren und Büros Forschungsergebnisse produzieren. Dann würden diese Forschungsergebnisse, die die Wissenschaftler in der Regel kostenfrei Verlagen überlassen, in Form der in Verlagen produzierten Veröffentlichungen meist aus Steuergeldern von den Universitäten für ihre Bibliotheken wieder zurückgekauft. SPIELKAMP und CRAMER (2009) sehen eine weitere Subventionierung darin, dass Wissenschaftler den „Peer Review“, also das Begutachten der zu publizierenden Artikel und das in fast allen Fällen erforderliche Setzen und Layouten der Beiträge, auch übernehmen. Der Staat subventioniere also die Erstellung von Publikationen gleich dreifach; der Gewinn hingegen verbleibe letztendlich bei den Verlagen.

Das U-Boot

Warum man den Heidelberger Appell auch als eine Art U-Boot des Verlagswesens wahrnehmen kann, liegt meiner Meinung nach an der Vermischung von Google Books und Open Access, zwei Dingen, dich nichts miteinander zu tun haben. Google Books ist ein kommerzielles Projekt, das viel Raum für Diskussionen lässt. Bei Open Access ist die Lage dagegen eindeutig und man kann nicht viel dagegen vorbringen – es sei denn, man ist ein Wissenschaftsverlag und fürchtet um seine Margen. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags kommt jedenfalls zu folgendem Fazit:

Die Kritik an Open Access kann kaum nachvollzogen werden. Die hier gemachten Vorwürfe treffen eher auf die traditionellen Vertriebswege zu als auf das neue Publikationsmodell. Mit der digitalen Plattform steht den Rechteinhabern eine adäquate Publikationsalternative zur Verfügung, die insbesondere vor dem Hintergrund der Geschwindigkeit, in der neues Wissen geschaffen wird, erhebliche Vorteile gegenüber den in der Regel teureren traditionellen Vertriebswegen hat. Die Vorteile werden auch in den einschlägigen Untersuchungen der EU und der OECD bestätigt.

Weiterlesen:

Studiengebührenverwaltungverwaltung


Geben wir es einfach zu: Die Umsetzung des "Projekts Studienbeiträge" ist kein Erfolg. Bleibt die Frage: Nachbessern oder - wie bereits in anderen Bundeslängern geschehen - Aufgeben?

Micheal Kerres über den Verwaltungsaufwand, den die Studiengebühren nach sich ziehen: Projekt Studienbeiträge: gescheitert?

Ziel erreicht? Hochschulgebühren schrecken vom Studium ab


Das ist eine Meldungen aus der Kategorie Captain Obvious: Studiengebühren schreckten im Jahr 2006 ca. 18.000 Menschen von der Aufnahme eines Studiums ab:

Studiengebühren schrecken einer Untersuchung zufolge viele junge Menschen vom Studium ab. Laut der Studie, die vom Bundesbildungsministerium in Auftrag gegeben worden war, haben allein vom Abiturienten-Jahrgang 2006 bis zu 18.000 junge Menschen wegen der neuen Gebühren kein Studium aufgenommen. Das Papier wird vom Ministerium unter Verschluss gehalten, liegt nun aber nach eigenen Angaben der Deutschen Presse-Agentur dpa vor.

Interessant auch, dass diese Information gerade zum Bildungsgipfel herausgekommen ist.

Weiterlesen bei tagesschau.de: Studiengebühren schrecken tausende Abiturienten ab.

Update: Stephan macht sich auch so seine Gedanken, Fefe hat ebenfalls was dazu.

Geheimniskrämerei bei der Exzellenzinitiative?


Über die Exzellenzinitiative hatte ich schon mit wenig Begeisterung berichtet. Nun lese ich in einem Artikel der c't 10/2008 über den ersten Tätigkeitsbericht des Bundesbeauftragten für die Informationsfreiheit, dass die Bewertungskriterien für die Exzellenzhochschulen nicht öffentlich sind:

Konkret hatte er beim BMBF sowie bei der DFG und dem WR Zugang zu Informationen über die Durchführung der Exzellenzinitiative, insbesondere zu den Berichten über die Bewertung einer Universität durch internationale Gutachter im Rahmen der ersten Auswahlrunde der Exzellenzinitiative, beantragt. Diese Informationen wurden ihm weitgehend nicht zur Verfügung gestellt.

Ich weiß nicht, was ich beunruhigender finden soll: Dass wichtige Grundlagen, nach denen unsere Hochschullandschaft umgebaut wird, im stillen Kämmerlein besprochen werden. Oder dass diese Entscheidungen von privatrechtlichen Organisationen wie »Deutsche Forschungsgemeinschaft« und »Wissenschaftsrat« getroffen werden.

Weiterlesen: Tätigkeitsbericht zur Informationsfreiheit für die Jahre 2006 und 2007, Kap. 4.14.1 (PDF).

FAZ über E-Learning in Hochschulen


In der FAZ ist heute ein Beitrag über E-Learning an Universitäten zu lesen: »E-Universität. Das zweite Leben der Hochschulen.« Leider beginnt der Artikel gleich mit Klischees (»Statt sich im Morgengrauen aus dem Bett zu schälen und auf Heizkörpern in überfüllten Hörsälen zu sitzen, verfolgen manche Studenten ihre Vorlesungen schon als Video- oder Audio-Podcast daheim am Rechner, wenn es ihnen zwischen Job und Kneipenbesuch gerade passt.«), die Autorin Dorte Huneke hat dann aber doch einige interessanten Stimmen eingeholt. In dem Beitrag schlägt sie einen Bogen von beispielhaften E-Learning-Projekten und was E-Learning eigentlich bedeutet hin zu den Anforderungen an Lehrende und Lernende und einem Ausblick in die Zukunft (»Digitale Seminare tauschen wie Klingeltöne«).

Do schools kill creativity?


Nach diesem unterhaltsamen Vortrag von Ken Robinson stelle ich mir Wissenschaftler auf der Tanzfläche vor, wie sie sich zuckend und auf keinen Fall zum Takt der Musik bewegen und dabei sehnsüchtig darauf warten, dass Sie die Tanzfläche und die Disko verlassen dürfen, um sich ihrer akademischen Kopfarbeit wieder zuwenden können ;-)

Weiterlesen: TED Talks - Sir Ken Robinson: Do schools kill creativity?

[via Steffen Büffel und ix]

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