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Süddeutsche: Wikis funktionieren


Ja wirklich, die Süddeutsche legt das Fremdeln mit dem Wiki-Prinzip ab. Spiegel Online klopft der Süddeutschen dafür anerkennend auf die Schultern:

Johan Schloemann [muss] feststellen: Wikipedia funktioniert. Das Gerede von der Unzuverlässigkeit und mangelnden Seriosität ist verstummt. Ganz ohne Internetbashing kann so ein Artikel in der SZ aber nicht enden …

Es geht um den Artikel »Neues zur Massenintelligenz: Warum Wikipedia funktioniert - Wissenstrieb statt Eigennutz«. Wikis funktionieren jetzt und »Institutionen [sind] dabei, ihre internen Abläufe nach Wiki-Prinzip sinnvoll zu verbessern.«. Andererseits fremdelt der Artikel mit der Blogosphäre:

… dort, in den "selbstgeschaffenen Echokammern" (Sunstein), dominieren Rechthaber und sabotierende Schmierfinken.

Mal sehen, was die Süddeutsche in zwei Jahren zum Thema Weblogs schreiben wird.

Beteiligung in Firmen-Wikis vs. Wikipedia


Jakob Nielson hat 2006 seine mittlerweile berühmte 90-9-1-Regel veröffentlicht. Sie beschreibt den Grad der Beteiligung der Nutzer in Online Communities und in sozialen Netzwerken:

  • 90% of users are lurkers (i.e., read or observe, but don't contribute).
  • 9% of users contribute from time to time, but other priorities dominate their time.
  • 1% of users participate a lot and account for most contributions: it can seem as if they don't have lives because they often post just minutes after whatever event they're commenting on occurs.

Diese Regel kann man mit einer gewissen Toleranz auch bei Wikipedia feststellen. Wenn das bei Wikipedia zutrifft, wie sieht es dann in Unternehmens-Wikis aus? Ist eine aktive Beteiligung etwa ähnlich gering?

Auf jeden Fall wäre es stark verkürzt, wenn man von offenen Communities auf firmeninterne Kommunikationsräume schließt. Auf XING oder Facebook stellt man Verbindungen zu anderen Personen her und schreibt ab und zu Kommentare. In Unternehmen dagegn werden beispielsweise in Wikis ganze Kommunikationsprozesse abgebildet, die für das tägliche Arbeiten unabdingbar sind. Da kommt man auf einen ganz anderen Grad der Beteiligung. Stuart Mader beschreibt beispielsweise, dass er die Erfahrung gemacht hat, dass in Unternehmen, die er berät, er eine aktive Beteiligung bei 60% der Nutzer ausgemacht hat. In Deutschland hat zum Beispiel an der Uni Bamberg die Forschungsgruppe »Wikis in Organisationen« eine klassische Pareto-Verteilung ausgemacht, was einen um den Faktor 20 höheren Wert darstellt als man nach der Nielsen-Regel erwarten würde.

Man sollte den Grad der Beteiligung auch nicht daran messen, wie viele Nutzer schreibend beitragen. Natürlich will man als Unternehmen, dass Mitarbeiter Ihr Wissen im Wiki teilen. Aber man will das ja schließlich, damit die Kollegen daraus lernen können. Viel wichtiger ist es darum, dass alle Nutzer die Erfahrung machen, dass sie sowohl geben als auch nehmen können und dass dieses Verhältnis in Einklang zueinander steht. Je nach Unternehmen, Branche und Informationsprozessen kann dieses Verhältnis ganz unterschiedlich aussehen. Nur eins scheint mir sicher: die 90-9-1-Regel wird in Unternehmen im Hinblick auf die aktive Beteiligung weit übertroffen.

Kleine Unternehmen mit Wikis managen


Marguerite Manteau-Rao berichtet in Ihrem Blog »La Marguerite« über Ihre Erfahrungen mit Wikis im eigenen Start-Up: 10 Reasons to Start Up With a Wiki. Kurz gesagt ist sie begeistert, wie hilfreich das Wiki für ihr Unternehmen ist:

  1. Wikis sind kostenlos.
  2. Wikis sind einfach zu installieren.
  3. Wikis sind einfach zu benutzen.
  4. Wikis sind fehlertolerant (»It's oh so forgiving.«)
  5. Wikis bieten virtuelle (dynamische) Strukturen.
  6. Wikis bieten die Möglichkeit der Aufgabenplanung.
  7. Wikis sind ein Wissens-Repository.
  8. Wikis sind ein Such-Werkzeug.
  9. Wikis sind ein sicherer Speicherort.
  10. Wikis sind ein großes Versuchsfeld.

[via Stuart Mader]

Symposium »Wikis in Unternehmen«


Letze Woche war in Bamberg bei einm Expertensymposium »Wikis in Unternehmen«:

In einem von der Volkswagenstiftung geförderten interdisziplinären Forschungsprojekt erkunden Wissenschaftler an der Forschungstelle für Neue Kommunikationsmedien und am Lehrstuhl für Angewandte Informatikin den Kultur-, Geschichts- und Geowissenschaften seit Mai 2007 genau diese Bedingungen und Konsequenzen, die Wikis in Organisationen zu einer erfolgreichen Innovation machen.

Die Forschungsgruppe hat nach Bamberg eingeladen, um ihre Ergebnisse vorzustellen. Da vor allem Wikiianer eingeladen worden sind, kam sehr schnell ein spannender, informeller Austausch zu stande. Für mich war es beispielsweise sehr schön zu erfahren, dass auch in anderen Organisationen meine Einstellung geteilt wird, dass so eine Wiki-Einführung weniger ein technisches sondern ein Organisationsentwicklungsprojekt ist. Und so habe ich nebenbei erfahren können, dass in einem gorßen Unternehmen das Wiki nun unter der OE aufgehängt ist, und da gehört sie meiner Meinung nach auch hin.

Microblogging ist aber natürlich auch bei dieser Veranstaltung direkt und indirekt Gesprächsthema gewesen. Gezwitscher zum Symposium ist mit #WiO getaggt worden …

Zurück zu den Forschungsergebnissen beziehungweise den Vorträgen. Mir gefällt die Wiki-Defenition, mit der die Wissenschaftler gearbeitet haben, sehr gut, da man auch auf das Buzz Word Collaboration verzichtet hat:

Eine Wiki ist eine Sammlung untereinander verlinkter Webseiten, die mit Hilfe eines Webbrowsers editiert werden können. Ein Wiki ist damit ein Kommunikationsmedium der Organisation.

Im Rahmen des Forhschungsprojekt hat man Wikis in vier verschiedenen Unternehmen/ Organisationen untersucht: Das »blaue Wiki« ist in einem kleinen Start-Up im Einsatz, dass im Untersuchungszeitraum von 2 auf 26 Mitarbeiter gewachsen ist. Das »gelbe Wiki« wird in einer Unternehmensberatung mit ca. 80 Mitarbeitern verwendet. Das »rote Wiki« steht dagegen in einer Online-Redaktion und das »grüne Wiki« schließlich wird von Studenten genutzt.

Die Forschungsgruppe hat sich nun die Art der Nutzung angesehen und dabei weitere Netzwerkstrukturen ausgemacht:

  • Hyperlinknetzwerke beschreiben die Beziehungen der Wikiseiten
  • Autorennetzwerke beschreiben die Beziehungen zwischen den Autoren
  • Themennetzwerke beschreiben die Wikiseiten, die sich zu Themen zusammenfassen lassen

Um diese Netzwerke visualisieren zu können, hat man sich ein Tool programmiert, dass die einzelnen Unternehmenwikis auswerten kann. Herausgekommen sind dann so schöne Grafiken wie diese, die das blaue Wiki beschreibt:

Visualisierung der Netzwerke im blauen Wiki
Quelle: http://www.kinf.wiai.uni-bamberg.de/WiO/index.php/Symposium

Und dann noch für uns »Businessmenschen« so herrliche Animationen, die die Dynamik einer gemeinschaftlichen Arbeit im Wiki demonstrieren:

Kleines Beispiel zum Wikieinsatz im Arbeitsalltag


So eine Veranstaltung wie die Learntec bietet immer Gelegenheiten für interessante Gesprächen. Ein Teilnehmer eines unserer Wiki-Workshops hat mir zum Beispiel von einem seiner Kollegen bei der Polizei erzählt, der zur Dokumentation seiner Fallrecherchen ein eigenes Wikis benutzt. Auf diese Idee wäre ich selbst nicht gekommen, im Nachhinein denkt man sich dann aber, dass es ein ziemlich perfektes Szenario für einen Wikieinsatz darstellt.

Wikis - »the glue for the organization«


Dezember ist die Zeit der Listen: die besten Tools des Jahres, die tollsten Start-Ups, die schrägsten Typen … Und so auch bei ReadWriteWeb: Top 10 Enterprise Web Products of 2008. Bemerkenswerter Weise haben es in diese Liste gleich zwei Wiki-System geschafft: Atlassian Confluence und Mindtouch Deki. Der Autor, Bernard Lunn, beschreibt dabei den Markt als »wiki++«:

We added "++" to "wiki" because the leading vendors are rapidly incorporating micro-blogging, social networking, forums, and other collaboration tools. Integration is key, so we see this market moving towards suites, but with wiki at the core.

In Stewart Maders Blog kommentierte das Chris Yeh von PBwiki.com: »I like to describe the wiki as the glue for the organization. It’s the context, the environment, the foundation for collaboration. And it should allow you to glue in additional functionality.«

Corporate Wiki: easy to blame


Alex Schröder, Hauptentwickler hinter dem Wikisystem Oddmuse (das übrigens alle meine Sympathienpunkte bekommt, weil es a) Perl, b) klein, c) erweiterbar und d) der Programmcode einfach veränderbar ist) ist von WikiSym 2008 mit einigen Gedanken zu Corporate Wikis zurückgekehrt. Etwas überzogen, aber doch mit einem wahren Kern, stellt er sich Gespräche über Anforderungen an Wikisystemen für den Unternehmenseinsatz in etwa so vor:

bob
We need an interface to the product database.
fred
Hm, did you actually write about any product yet?
bob
Then we could have a form to describe products in a structured way.
fred
Yeah, but did you write a product description on the wiki?
bob
We could produce a PDF document containing our product catalog.
fred
Yeah, but have you actually started to write anything?
bob
But we need to ensure “security” using identity management and permissions.
fred
Does anybody ever write anything on the wiki!?

Es ist auch mein Anliegen, mit meinen Klienten zunächst einmal herauszuarbeiten, was mit einem Wiki erreicht werden soll und wie man diesen Kulturwandel schafft, dass Informationsverarbeitungsprozesse im Wiki abgebildet werden.

Weiterlesen im CommunityWiki: CorporateWiki.

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