Web 2.0

Universtitäts- und Landesbibliothek Darmstadt darf selbst digitalisierte Werke nicht mehr ausdrucken


Eine interessante Rechtsprechung des Oberlandesgerichts Frankfurt in einem Rechtsstreit zwischen der TU Darmstadt und dem Ulmer Verlag. An der Bibliothek hat man Bücher und Zeitschriften digitalisiert und diese Daten an speziellen Leseplätzen den Nutzern zur Verfügung gestellt. Die Nutzer, also beispielweise Wissenschaftler oder Studenten, dürfen mit dem Urteil nun nicht einmal einen Absatz aus einem solchen Werk ausdrucken. Aus der Pressemitteilung der TU Darmstadt:

Grundsätzlich bestätigt zwar auch das OLG Frankfurt das neugeschaffene Recht der Bibliotheken, in ihrem Besitz befindliche Druckwerke auch neueren Datums unabhängig von eventuell bestehenden Verlagsangeboten zu digitalisieren. Erlaubt ist auch, die so gewonnenen Dateien Nutzern an besonders eingerichteten elektronischen Leseplätzen in den Räumen der Bibliothek zur Lektüre zur Verfügung zu stellen. Dennoch werden die Rechte der Leser nun entscheidend eingeschränkt. Das in § 53 UrhG grundsätzlich verankerte Recht auf Privatkopie zum wissenschaftlichen Gebrauch soll hier nicht greifen.

Die Angst vor dem Internet oder aber die Gier muss in der Verlagsbranche grenzenlos sein. Die Rechteverwerter sind auch die treibende Kraft hinter den Bemühungen, eine europäische Three-Strikes-Regelung hinzubekommen, nach der Nutzern der Internetanschluss mit der dritten Urheberrechtsverletztung (für ein Jahr?) gekappt werden soll. Diese Regelung soll wahrscheinlich nur für Privatpersonen gelten, zu groß dürfte die Gefahr für Unternehmen sein. Man stelle sich nur mal vor, dem Spiegel-Verlag kappt man die Internetleitungen, weil bei Spiegel Online wiederholt Wikipediainhalte als die eigenen ausgegeben worden sind.

Weiterlesen bei heise: OLG Frankfurt schränkt Nutzerrechte in Bibliotheken ein.

Peter Kruse zu Schirrmachers neuem Internet-Angst-Buch »Payback«


Es ist schon viel über Schirrmachers neues Buch Payback geschrieben und gesagt worden. Schlecht soll es nicht sein, was ich allerdings nicht aus eigener Erfahrung sagen kann, denn innerlich sträubt es sich mir, ein Werk von Schirrmacher in die Hand zu nehmen. Zu sehr haben Verlagsvertreter, darunter eben auch Schirrmacher, in der jüngsten Urheberrechts- und Google Books-Diskussion mit Falschinformationen versucht Politik und Öffentlichkeit zu instrumentalisieren.

Mit dem Untertitel zu seinem Buch »Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen« spielt Schirrmacher nach dem »Methusalem-Komplex« erneut mit individuellen Ängsten, offenbart damit aber auch einen handfesten Kulturpessimismus. Peter Kruse hat zu Schirrmachers Buch in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ähnliches gesagt:

Mit seinem Buch outet sich Herr Schirrmacher als fremdelnder Netzwerk-Besucher, als Zaungast, der einer wilden Party gleichermaßen neugierig wie irritiert aus der Ferne zuschaut.

Weiterlesen:

Vortrag Online-Zusammenarbeit in Organisationen beim Weiterbildungsverbund


Letzte Woche habe ich mit Mitgliedern des Weiterbildungsverbunds Neumünster-Mittelholstein über Web 2.0 in Organisationen sprechen können. Dabei habe ich in einem Impulsreferat über die Möglichkeiten von Online-Zusammenarbeit gesprochen (PDF). Der Austausch und die Diskussionen dazu waren sehr intensiv, vor allem weil auch immer gleich die Frage im Raum stand, wie man Aspekte des Web 2.0 im eigenen Bereich einsetzen könnte. Ich habe so einen kleinen Eindruck von der Arbeit der Verbundsmitglieder gewinnen können, was für mich sehr interessant gewesen ist. Vielen Dank für diesen informativen Abend!

Workshop Medienkompetenz im Web 2.0


Nächsten Freitag findet in Kiel die Transfer- und Fachtagung Herausforderung Personalentwicklung in der Weiterbildungsbranche in Schleswig-Holstein statt (Programm als PDF-Datei). Diese Veranstaltung ist Teil des vom Land geförderten Projekts zur Sicherung des Fachkräftebedarfs in der Schlüsselbranche »Berufliche Weiterbildung« in Schleswig-Holstein. Nachmittags laufen dabei drei parallele Workshops: Claus Nowak mit dem Thema Teilnehmerorientierte Methoden in der Seminararbeit, Nadja Cirulies mit dem Thema Bedeutung und Entwicklung eines Kompetenzprofils und im dritten Workshop biete ich das Thema Medienkompetenz im Web 2.0 an.

Bei diesem Workshop haben die Teilnehmer die Möglichkeit, in einer Art World Café die Einsatzmöglichkeiten von Wikis, Blogs und Microblogs für die eigene Arbeit zu erkunden. Allerdings sollen die Ideen, die gemeinsam an Cafétischen entwickelt werden, nicht auf Papier sondern gleich in ein Wiki gebracht werden. Für den Workshop habe ich einen nichtöffentlichen Testserver aufgesetzt, auf dem Drupal, Foswiki und Status.Net für die Nutzung eingerichtet sind. Die Zeit wird für drei World Café-Runden und ein bis zwei Impulsreferate reichen, allerdings befürchte ich, dass die Diskussionrunde am Ende abgebrochen werden muss. Aber ich denke, der Worskhop wird eine Runde Sache werden mit vielen neuen Impulsen sowohl für die Teilnehmer als auch für mich.

Top 100 Tools for Learning 2009: The Final List


Jane Hart hat die finale Liste der Top 100 E-Learning-Tools veröffentlicht. Platz 1 geht an Twitter, Delicious auf Platz 2 (hätte ich nicht gedacht), gefolgt von YouTube auf dem dritten Rang.

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Forderungskatalog an Soziale Netzwerke


Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) hat einen Forderungskatalog an die Anbieter von Sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ und Xing aufgestellt, den ich für recht brauchbar halte. Er besteht aus elf Punkten (kompletter Forderungskatalog als PDF-Datei):

  1. Informierte und bewusste Datennutzung und Einwilligung
  2. Keine Koppelung von Diensten und Datennutzung
  3. Sicherstellung der einfachen Datenlöschung bei Deaktivierung des Accounts
  4. Verbot grundlosen Speicherns
  5. Sicherheit und Sorgfaltspflichten
  6. Kein Auslesen der Daten über Suchmaschinen
  7. Minimum an Daten
  8. Restriktive Voreinstellung der Nutzerprofile
  9. Anwendungen von Drittanbietern
  10. Urheberrecht
  11. Umfassende Informationen in nutzerfreundlicher Sprache

Weiterlesen: Mehr Verbraucher- und Datenschutz in Sozialen Netzwerken.

[via netzpolitik.org]

Erfahrungsbericht der T-Systems Multimedia Solutions: Ein Jahr Social Intranet


Frank Wolf berichtet über das erste Jahr des internen Confluence-Wikis bei T-Systems Multimedia Solutions:

Ein wichtiger Teil unserer Social Media „Weltanschauung“ resultiert aus unserem eigenem Social Intranet. Es basiert auf dem Enterprise Wiki Confluence von Atlassian und heisst bei uns intern einfach nur „Teamweb“. Das Teamweb ist jetzt über ein Jahr alt und mit etwas Abstand zu den Feierlichkeiten möchte ich im Folgenden unsere Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Jahr beschreiben.

Offen wird über positive und einige negative Aspekte berichtet. Die Online-Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen ist wesentlich erleichtert worden und eine »neue Öffentlichkeit« verschafft mehr Transparenz und stellt zwischenmenschliche Nähe und Vertrautheit her. Gelernt hat man im vergangenen Jahr, dass beispielsweise zu einem sozialen Intranet eine effektive Suchfunktion genauso gehört wie ein funktionierendes Dashboard, also etwas wie eine persönliche, cockpitartige Start- und Übersichtsseite.

whitehouse.gov wird jetzt auch von Drupal angetrieben


Hinter der Website des Weißen Hauses werkelt seit einigen Tagen eine Drupal-Installation. Installiert wurde Drupal von dem Start-Up Acquia, hinter der unter anderem Drupal-Erfinder Dries Buytaert steht. Über Acquia lohnt es sich bei Gelegenheit einen eigenen Blogbeitrag zu schreiben, gilt das Unternehmen doch in den U.S.A momentan als eines der ganz heißen Web 2.0-Start-Ups.

Mehr dazu unter anderem bei Huffington Post, t3n, Golem und taz.

Gruppendynamische Prozesse bei der Wikipedia


Es läuft gerade eine zum Teil sehr heftig geführte aber dennoch aufschlussreiche Diskussion rund um die deutschsprachige Wikipedia. Im Kern geht es um einen alten Konflikt zwischen Inkludisten und Exkludisten. Die einen möchten, dass zu möglichst vielen Dingen, unabhängig von ihrer Bedeutung (Relevanz), ein Eintrag in der Wikipedia zu finden ist. Die anderen setzen dagegen auf eine eher restriktive Prüfung der Inhalte auf Qualität und auch Bedeutung. Die Inkludisten sagen, Speicherplatz kostet heute so gut wie nichts mehr und die Verwaltung der Informationsmengen sollte die MediaWiki-Software vor keine großen Probleme stellen. Die Exkludisten sagen, dass die Wikipedia den Ansprüchen einer (sehr guten) Enzyklopädie genügen muss. Darum der Qualitätsanspruch an die Inhalte. Zudem hat Wikipedia ein großes Problem auf Grund des eigenen Erfolges: viele, Menschen, Unternehmen und Institutionen, versuchen, in der Wikipedia mit einem Artikel vertreten zu sein, um so die eigene Bedeutung zu unterstreichen. Neben dem »normalen« Wiki-Vandalismu muss man also auch diese Form von Spam abwehren.

Die Inkludisten sind mit Ihrer Haltung dem Wikiprinzip näher als die Exkludisten. Ein Wiki will Raum für einen offenen Austausch bieten, will einladen zur Schaffung neuer Inhalte. Aber die Wikipedia will eine Enzyklopädie sein und kein offenes Wiki. Man bedient sich vieler Wiki-Elemente, aber der Anspruch ist eben der, eine angesehene Enzyklopädie im Gegensatz zu einem offenen Wiki zu sein , in dem jeder aufgefordert ist, seine unausgereiften Gedanken mitzuteilen. Und darin dürfte auch begründet liegen, dass die Exkludisten in der (deuschsprachigen) Wikipedia überwiegen.

Als Wiki-Anwender dürfte man bei den ersten Gehversuchen mit Wikipedia verstörende Erfahrungen machen: eine neu angelegte Wikiseite wird in der Regel nicht lange überleben, da sie von einem Wikipedia-Admin wegen mangelhafter Qualität oder nicht belegter Relevanz zur Löschung vorgeschlagen wird. Als klassischer Wiki-Anwender ist man es gewohnt, seine unfertigen Gedanken ins Wiki zu schreiben, um so einen Austausch und einen kollaborativen Prozess der Weiterentwicklung voran zu treiben. Im Gegensatz dazu soll in der Enzyklopädie Wikipedia nur das Ergebnis eines solchen kollaborativen Prozesses seinen Eintrag erhalten.

Verstörend ist für einen Wiki-Anhänger zudem der rauhe Ton der Admins. Man kommt sich mitunter als Bittsteller statt als Unterstützer vor und der Ton erinnert einen stark an selige Usenet-Zeiten. Auch dort wurde heftig diskutiert und man hat sich gerne gegenseitig auf Formalismen zurechtgewiesen. Eine sozialpsychologische oder organisationsspychologische Sicht auf diese Dinge fände ich spannend zu lesen. Da spielen sicherlich so einige interessante Prozesse eine Rolle. Vielleicht auch unser Sozialisationshintergrund mit unserem Schulsystem, das eher unter dem Leitbild des rausprüfens denn dess unterstützen wollens agiert.

An diesen Worten kann man schon erkennen, wie meine Einstellung dazu ist. Auch ich denke, dass die »Admin-Kultur« aus dem Ruder gelaufen ist und man die Gelegenheit wahrnehmen sollte, vorsichtig gegen zu steuern. Fefe hat die Diskussion um Wikipedia mit seiner provoziernden Art (Fefes Diskussionsstil ist im Usenet Legende) angefacht, aber dieser Art ist es wohl auch zu verdanken, dass sich auf Seiten der Wikipedia-Aktivisten etwas regt. Für einen Wikipedia-Aktivisten ist das, glaube ich, gerade keine schöne Zeit, wenn das eigene Tun so in Frage gestellt wird. Aber ich drücke ihnen die Daumen, dass sie einen Weg finden werden, Kritikpunkte aufzunehmen und sich am Ende mit Ihren Kritikern werden versöhnen können. Denn die Wikipedia, zu der sie beitragen, ist eine tolle Sache, auf die ich nicht verzichten möchte.

WissensWert Blog Carnival: Was bringen Wikis?


Beim 7. WissensWert Blog Carnival sind einmal wieder viele Beiträge zum Einsatz von Wikis herausgekommen. Darunter auch schöne Erfahrungsberichte, unter anderem von Josef Summer (Hirschmann Automotive), Stefan Landwehr (Abacus Alpha GmbH), Natascha Gasser (net logistics GmbH) und der Mitorganisatorin des Blog Carnivals, Andrea Back (Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen).

Weiterlesen bei WissensWert: Beiträge zum 7. Wissenswert Blog Carnival: Was bringen Wikis?

[via Jochen Robes]
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