Web 2.0

Jonathan Schwarz' Erfahrungen mit Softwarepatenten


Jonathan Schwarz, bis Anfang Februar CEO bei Sun Microsystems, rechnet ein klein wenig mit zwei Großen der Branche in Sachen Softwarepatente ab, indem er von den kleinen, schmutzigen Trick berichtet, mit denen Apple und Microsoft Sun Microsystems ärgern wollten. Steve Jobs und Bill Gates hatten beide versucht, Sun-Produkte mit Hinweis auf Trivialpatente (Softwarepatente) zu ver- bzw. behindern. Jobs störte sich etwa am 3D-Desktop Project Looking Glass, Gates am Office-Paket OpenOffice.

Passend zum Thema zitiert Schwarz mit der Überschrift genüsslich Steve Jobs: »Good Artists Copy, Great Artists Steal«.

Weiterlesen bei Jonathan Schwarz: Good Artists Copy, Great Artists Steal.

»No one could do to Disney Disney did Brothers Grimm«


In einem sehr unterhaltsamen Talk hat Lawrence Lessig bei TEDxNYED über eine Kultur des Remixens gesprochen, die Disney groß gemacht hat, über den Respekt der Konservativen gegenüber dem Urheber (nicht Verwerter) und den Einfluss von Hollywood auf die Demokraten.

[via ix, netzpolitik.org]

Videocodec H.264 und Lizenzen


Im E-Learning hat die Einbettung von Videos ein lange Tradtion, da Werkzeuge wie Director die Erstellung von CBTs mit Videoelementen ermöglichten. Allerdings war Video dann mit dem Wechsel auf WBTs ein Problem. Es fehlten zum Einen die hochkomprimierten Videoformate und und zum Anderen standardisierte Videoplayer. Der RealPlayer stellte die einzige Mehrplattformlösung dar, konnte sich allerdings nicht gegen Microsoft und Apple durchsetzen. Erst 2007 kam es zu einer nennenswerten Verbesserung der Situation, als Adobe den Flash Player in der Version 9.0.115 veröffentlichte. In einer von Adobe als notwendiges Sicherheitsupdate für eine kritische Lücke bezeichneten Aktion hatte es das Unternehmen geschafft, innerhalb von kurzer Zeit einen universellen Videoplayer mit einem H.264-Codec weltweit einzuführen. H.264 (aka MPEG-4 AVC) ist ITU-Standard und das State-of-the-Art Videoformat für hocheffiziente Videokompression.

Das Dumme an H.264 ist nur, dass bei diesem Standard ein Strauß an patentierten Verfahren genutzt werden, die einem Pool von derzeit 26 Unternehmen wie Apple gehören, darunter beispielsweise Fraunhofer, France Télécom, Microsoft, Robort Bosch und Sony. Aus praktischen Gründen übernimmt die Rechteverwaltung dieser Patente eine eigene Organisation, das MPEG LA. Von dort muss man sich eine Lizenz besorgen, wenn man einen H.264-Codec vertreiben will oder wenn man Videos im H.264-Format verbreiten möchte. Allerdings kann man nicht sagen, wie hoch die Lizenzkosten in Zukunft sein werden, denn das MPEG LA entscheidet darüber in verschiedenen Perioden jeweils neu. Die erste Lizenzperiode läuft Januar 2011 aus, ab dann sollten ursprünglich Lizenzkosten für das freie Internet-Streaming anfallen. Aber allem Anschein nach will man sich das Geschäft mit den aufstrebenden Videoportalen nicht gleich mit überzogenen Forderungen verderben. Darum wird es noch bis 2016 im Rahmen einer Ausnahmeregelung möglich sein, freie Internet-Streaming-Angebote lizenzkostenfrei anbieten zu können. Mit diesem Schritt hält man zudem die Open Source-Konkurrenz in Form von Ogg Theora noch bis 2016 auf Abstand.

Allerdings wird Google ebenfalls noch eine wichtige Rolle spielen, denn dort hat man kürzlich den Codec-Hersteller On2 gekauft (On2 hatte den ursprünglichen Codec hinter Ogg Theora entwickelt und später der Open Source-Gemeinde zur Verfügung gestellt). On2 besitzt weitere alternative Codecs, die H.264 ebenbürtig sein sollen. Thomas Richter schreibt dazu auf Telepolis:

Möglich wäre, dass Googles strategischer Kauf dazu dient, nicht nur YouTube von zukünftigen (möglicherweise enormen) Lizenzzahlungen für H.264 zu befreien (oder zumindest bei möglichen Verhandlungen einen starken Hebel zu haben), sondern den Sourcecode von VP6 (bzw. den noch in Entwicklung befindlichen Nachfolgern VP7/VP8) offen zulegen und standardisieren zu lassen. Damit wäre der Weg frei, den Codec ohne Bedenken auf Patentverletzungen oder drohende Lizenzeinzahlungen in die nächste Browsergeneration zu integrieren und damit einen neuen, freien Videostandard im Netz zu schaffen - ganz im Sinne der Firma Google, die als Dienstleister von offenen Standards im Netz nur profitieren kann.

Update: Die Free Software Foundation hat einen offenen Brief an Google geschrieben, in dem das Unternehmen aufgefordert wird, auf Flash und H.264 zu verzichten und statt dessen VP8 als Open Source frei zugeben und das Format bei YouTube zu benutzen (Heise-Meldung).

EduCamp 2010 Hamburg - Tag 2


Am zweiten Tag (Bericht vom ersten Tag) des EduCamps in Hamburg hatte ich bei den Sessions »Twittdidaktik« und »Open Education« mitgemacht. Bei Twittdidaktik war der Ausgangspunkt der Diskussionen der Bericht über eine Vorlesung mit 200-300 Teilnehmern, bei der eine Twitterwall installiert war. Im Großen und Ganzen scheint das auch für Hochschulen mit Massenveranstaltungen ein interessantes Konzept zu sein. Man erreicht damit eine Mehr an Interaktion mit dem Auditium, Rückmeldungen sind für Teilnehmer sehr leicht einzubringen und als Lehrender kann man so auf Fragen und offene Punkte eingehen. Allerdings muss man als Teilnehmer den Umgang mit Vortrag und parallel vorbeilaufendem Twitterstream erst einmal lernen. Und als Lehrender an einer Hochschule sind ein höherer Grad an didaktischer Kompetenz, ähnlich wie in der Gruppenarbeit, erforderlich. Um etwas ganz anderes ging es in der Session Open Education, nämlich um frei verfügbare Inhalte für die Lehre. Frei verfügbar heißt, man benötigt eine Lizenz, die die Veränderung und Wiederveröffentlichung der Inhalte erlaubt (leider ist dafür nicht jede CC-Lizenz geeignet, bei Creative Commons hatte man das näher untersucht). Die bekanntesten Inhlate für Open Educational Resources dürften wohl MIT Open Coursware (OCW), WikiEducator und Wikiversity sein.

Neben den BarCamp-typischen Sessions gab es am zweiten Tag auch eine umstrittene Podiumsdiskussion mit etablierten Vertretern der Schul- und Hochschulszene als Teilnehmer. Organisatorisch stellte sich die Frage, ob eine Podiumsdiskussion (wenn auch als Fish Bowl angelegt) zu einem BarCamp passt. Naja, ich persönlich kann auf so etwas während eines BarCamps gut verzichten, anderseits könnte dies für BarCamp-Neulinge so etwas wie ein vertrautes Element sein, so dass sie nicht ganz so fremdeln müssen. Inhaltlich war da jetzt nichts wirklich neues (Schulmeister hat festgestellt, dass Web 2.0 in der Lehre nicht genutzt wird … das ist jetzt ein Plädoyer wofür?), und dass Lehrmethoden sowie Bildungssystem verbesserungswürdig sind, nun, das wusste man auch schon vor dem Internet.

BarCamps sind etwas tolles, und das EduCamp 2010 Hamburg hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hatte wieder einen intensiven Austausch mit vielen netten Menschen und habe dabei sehr viel gelernt. Wer bei so etwas noch nie mitgemacht hat, sollte das unbedingt und sofort ausprobieren. Es ist keine Konferenz mit Kinobestuhlung, die uns nach einer dreizehnjährigen Schulsozialisation zur Passivität einlädt, sondern eine Veranstaltung, die vom Engagement der Teilnehmer lebt. Zum Beispiel sollte man nach Möglichkeit selbst eine Session anbieten.

Auf der EduCamp-Mixxt-Plattform gibt es eine Seite mit einer Sammlung aller Reaktionen im Netz. Da findet man sehr interessante Einsichten und Meinungen.

Zum Abschluss noch die acht Regeln für BarCamps:

  • Du sprichst über ein BarCamp.
  • Du bloggst über ein BarCamp.
  • Wenn du präsentieren willst, schreibst du das Thema mit deinen Namen in einen Sessionslot.
  • Du stellst dich mit nur drei Schlagwörtern vor.
  • Es werden soviele Sessions parallel abgehalten wie es die Räumlichkeiten erlauben.
  • Es gibt keine vorher festgelegte Präsentationen und keine Touristen.
  • Präsentationen dauern so lange, wie sie müssen – oder bis sie sich mit dem nachfolgenden Sessionslot überschneiden.
  • Bei deiner ersten BarCamp-Teilnahme musst du eine Session halten. (Okay, du musst nicht unbedingt, aber versuch zumindest jemanden zu finden, um eine gemeinsame Session zu halten oder stell wenigstens Fragen und sei ein aktiver Teilnehmer.)

EduCamp 2010 Hamburg - Tag 1


Ich will mal meine ungeordneten Gedanken und Erfahrungen vom ersten Tag zusammentragen, bevor ich es wieder vergesse. Das schöne am EduCamp sind die persönlichen Gespräch mit alten Freunden und Bekannten und das Kennenlernen von neuen Menschen. Es war sehr kurzweilig und anregend und der Abend viel zu schnell erreicht.

An Sessions habe ich folgende aufgesucht:

Learner's Garden Community

Wolfgang Neuhaus hat über deren Portal Learner's Garden berichtet. Die Idee dahinter ist, dass die Teilnehmer Learning Tools empfehlen. Diese Tools, überwiegend Web 2.0-Dienste wie Diigo, Etherpad etc, werden in ihrer Funktionsweise beschrieben und kategoriesiert. In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass es für einen Lerner hilfreich wäre, wenn man konkrete Anwendungsbeispiele für die Tools aufzeigt, so dass einem der mögliche Nutzen sofort klar wird.

Microblogging in Education

@mosworld von der RWTH Aachen untersucht in seiner Dissertation die Einsatzmöglichkeiten von Microblogging in der Hochschullehre. Unter anderem haben sie an der RWTH Aachen für zwei Seminare für 31 Tage eine StatusNet-Instsallation zur Verfügung gestellt. Man wollte sehen, wie so ein Microblogging-System von den Lehrenden und Lernenden eingenommen und genutzt wird. Das System wurde den zwei Seminaren zusätzlich zu den anderen internen Services zur Verfügung gestellt, ohne dass auf die Nutzung gedrängt worden ist oder dass dafür besondere Werbung gemacht worden ist. Dafür ist das Ergebnis dann doch ziemlich gut: von den rund 180 Teilnehmern haben 94 den Dienst genutzt und im Schnitt hat jeder von de 94 aktiven Nutzern 6 oder 8 Nachrichten abgesetzt (ich habe mir die genaue Zahl nicht notiert).

(Alternatives) Game Based Learning – Das Spiel – Ein unkonventionelles Bildungsmedium?

Da ging es nicht um ein serious game sondern darum, wie Spiel von den Nutzern weiterentwickelt oder umgedeutet werden (können). Ich habe davon Begriffe und Ideen wie Spielregeln hacken und Refraimng mit nach Hause genommen.

Das eigene soziale Netz – raus aus Facebook & Co.

Zum Ende dann hatte ich eine Session zum Thema »Das eigene soziale Netz -- raus aus Facebook & Co.« vorgeschlagen, in der es um Datenschutz und um die Bewahrung essentieller Infrastruktur durch die Allgemeinheit ging. Es gibt dazu keine Folien, aber ich will mal versuchen, ein paar Stichworte aus meiner Erinnerung zusammen zu tragen:

  • das Internet ist frei in dem Sinne, dass die technischen Spezifikationen offen sind und von jedem implementiert werden dürfen
  • Beispiel Webserver, Beispiel E-Mail - das ist essentielle Infrastruktur, deren Spezifikationen jeder einsehen und in eigener Software umsetzen kann und darf
  • Dienste wie Facebook, Twitter, Xing usw. versuchen ihre Nutzer zu binden, indem sie ihre Services in einem geschlossenen Kontext anbieten – den sogenannten Overnets
  • Infrastruktur muss aber frei sein, gerade Bildungseinrichtungen sollten offene Systeme nutzen
  • rein technisch kann man die meisten Services auch mit freier Software realisieren, Facebook wird meistens einfach dazu genutzt, um zu sehen, was die eigenen Freunde und Bekannte machen
  • über Open Microblogging und das Aufsetzen eines eigenen Dienstes mittels StatusNet gesprochen

Vielleicht fällt ja dem einen oder anderen noch etwas wichtiges ein. Es wurde ziemlich engagiert disktuiert und ich habe nur einen Bruchteil von dem gesagten wiedergegeben.

Jugendschutz als Spielball der Interessensgruppen?


Seit ein paar Tagen wird der Entwurf zur Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrages heftig diskutiert. Beziehungsweise wird von der Online-Welt ziemlich klar abgelehnt. Aus der Stellungnahme des AK Vorrat:

  • Es werden sowohl Internet-Zugangs-Anbieter (Access-Provider, ISP) als auch Anbieter von Webspace (Hosting-Provider) mit den eigentlichen Inhalte-Anbietern gleich gesetzt. Sie werden als „Anbieter“ bezeichnet. Sie alle sind für die Inhalte ihrer Kunden verantwortlich.
  • Access-Provider werden verpflichtet, ausländische Webseiten zu blockieren, die sich nicht an die in Deutschland geltenden Jugendschutzbestimmungen halten. Es muss also eine weitaus umfangreichere Internet-Zensur-Infrastruktur aufgebaut werden, als dies Ursula von der Leyen im Wahlkampf vorgesehen hat.
  • Wenn auf einer Webseite die Nutzer Inhalte erstellen können (also zum Beispiel Kommentare in Blogs), dann muss der Betreiber der Plattform (also zum Beispiel der Blogger) nachweisen (!), dass er zeitnah Inhalte entfernt, „die geeignet sind, die Entwicklung von jüngeren Personen zu beeinträchtigen“. Ausnahmen sind keine vorgesehen.
  • Generell werden alle Inhalte in Kategorien eingeteilt: ab 0 Jahre, ab 6 Jahre, ab 12 Jahre, ab 16 Jahre, ab 18 Jahre.
  • Alle „Anbieter“ müssen sicherstellen, dass Kinder der entsprechenden Altersstufe jeweils ungeeignete Inhalte nicht wahrnehmen.

Im Unternehmensblog von 1&1 hat Justiarin Saskia Franz zudem drastisch aufgezeigt, wohin der Weg mit der Novelle gehen würde:

Undifferenziert müsste ein Access-Provider genauso wie ein Blogger ausnahmslos jederzeit sämtliche Inhalte kontrollieren, da er dafür verantwortlich sein soll, „die Einbeziehung und den Verbleib von Inhalten im Gesamtangebot“, die entwicklungsbeeinträchtigend sind, zu verhindern. Hier stellt sich die Frage, welcher User kann dies mit den ihm möglichen Mitteln sicherstellen? Der Freizeit-Blogger wird hierzu regelmäßig nicht in der Lage sein. Ihm steht das technische Equipment und gegebenenfalls Know-how kaum zur Verfügung. Ob er sich parallel die eingreifende Filterung durch einen Access-Provider wünscht, ist gleichfalls fraglich.

Soweit so schlecht. Kristian Köhntopp bietet nun eine interessante Deutungsmöglichkeit dieser Novelle. Kris hat Erfahrung mit Jugendschutz, vor mehr als 10 Jahren hat er an einer Studie zum Thema Jugendschutz im Internet mitgearbeitet, die damals vom Wirtschaftsministerium (BMWI) beauftragt worden ist. Er hat dabei erlebt, wie verschiedene Interessensgruppen das Thema Jugendschutz für sich instrumentalisieren wollten. In seinem Blogeintrag weist er darauf hin, dass ein solch novelliertes Jugendmedienschutzgesetz die Transaktionskosten für Online-Veröffentlichungen erheblich verteuern würden. Oder volkswirtschaftlich betrachtet: es werden Marktschranken aufgebaut, die eine Veröffentlichung beispielsweise kostenloser Angebote von Privatpersonen oder kleinen Organisationen unmöglich machen würden. Gestützt werden durch solche Barrieren – Überraschung! – die klassischen Medienhäuser. Also jene Akteure, die in den letzten Monaten mit einem wahren Veröffentlichkungsfeuerwerk auf ihre Not und ihr Fremdeln mit der Online-Welt hingewiesen haben. Kris drückt das so aus:

Andererseits ist das auch genau eine Linie der Politik der aktuellen Regierung: Es sind die kostenlosen Angebote in ausreichender bis exzellenter Qualität, die derzeit den Medienwandel treiben. Unsere Klientelregierung hat nun versprochen, dieses Problem zu beheben. Konsequenterweise ist dieser Entwurf eines Jugendmedienschutzes auch ein Anschlag auf die kooperative Kultur des Internets, denn es gilt, kostenlose Angebote unattraktiver zu machen, um kompetetiven, traditionell geldgestützt operierenden Sites mehr Luft zum Atmen zu geben. Da diese Sites auch traditionellen Regulierungsinstrumentarien zugänglich sind, ist dies politisch und wirtschaftlich wünschenswert.

Kris weiter zu den Folgen:
  1. Die Publikation von kostenlosen, kooperativ erzeugten freien Inhalten wird aufwendiger.
  2. Es wird die Überwachungs- und Zensurinfrastruktur legitimiert, die schon im Rahmen der Zensursula-Diskussion gewünscht wurde.
  3. Das ganze wird am Ende ein Muster-Anwendungsfall für den elektronischen Personalausweis, der notwendig wird, um sich beim Provider und beim Site-Betreiber für den Internet-Zugang und den Inhaltszugriff zu legitimieren und die Bedarfsträger können endlich mit Identitäten statt IP-Nummern operieren, wenn sie ermitteln wollen.
  4. Mit diesen Identitäten lassen sich auch Meldungen und ihre Weitergabe ausgezeichnet tracken, sodaß wir auch eine technische Basis für den Verteilschlüssel der Einnahmen aus dem neuen Leistungsschutzrecht haben.

Diesen politischen und wirtschaftlichen Drücken stellt man sich entgegen, wenn man gegen diesen Entwurf ist. Um den Jugendschutz geht es dabei nur am Rande.

Andererseits kann man das ganze natürlich auch als die neue Kampagne der etablierten Parteien für die Piratenpartei interpretieren.

Weiterlesen bei rivva:

Vortrag Kommunizieren im Web 2.0


Gestern war ich zum Weiterbildungsverbund Pinneberg eingeladen, um dort über mögliche Kommunikationsformen für Weiterbildungsträger im Web 2.0 zu diskutieren. Es war ein kurzweiliger Abend, an dem ich vor allem über meine eigenen Erfahrungen berichten konnte und es dabei zu einem interessanten Austausch gekommen ist.

Die Präsentation steht als PDF-Datei im Wiki zur Verfügung (Download). Und auf Twitter hat TwInfoManager den Verlauf der Veranstaltung kommentiert, vielen Dank dafür.

View more documents from Tim Schlotfeldt.

Beitrag Handbuch E-Learning: Wikis in Unternehmen einführen


Für die Januar-Ausgabe des Handbuch E-Learning habe ich einen Beitrag zum Thema Wikieinführung in Unternehmen am Beispiel der Deutschen Werkstätten Hellerau beigesteuert. Die DWH hatte ich bei der Wiki-Einführung beraten.

Besserer Wissenstransfer dank Unternehmenswiki

Wikis sind in Unternehmen angekommen. Während noch vor ein paar Jahren eher technikaffine Arbeitsgruppen oder Abteilungen damit gearbeitet haben, versucht man heute die Vorteile des Wikiprinzips für das ganze Unternehmen zu nutzen. Dieser Beitrag skizziert den Prozess der Einführung und erläutert die heutige Nutzung des Unternehmenswikis bei den Deutschen Werkstätten Hellerau.

Durch Zufall zum Wiki

Dass die Deutschen Werkstätten Hellerau zu einem Wiki gekommen sind, ist, wie so oft, einem kleinen Zufall geschuldet. Bei einem gemeinsamen Termin unterhielt ich mich mit dem Geschäftsführer der DWH, Fritz Straub. Dabei kamen wir auch auf Wikis zu sprechen, was es mit diesem Wikiprinzip auf sich hat, welche Vorteile es mit sich bringt und wie man es in Unternehmen einsetzen kann. Nach kurzer Zeit sagte er, selbst etwas überrascht: »Wenn es tatsächlich so ist wie sie es schildern, dann könnte es die Lösung für eines unserer großen Probleme sein.« Die Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen mit insgesamt 200 Mitarbeitern in Dresden sowie Tochtergesellschaften und Repräsentanzen in Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien, Frankreich und Spanien, das als Spezialist für den hochwertigen Innenausbau von Villen, Vorstandsetagen und Luxus-Yachten weltweit tätig ist. Die Architekten und Ingenieure arbeiten dabei mit den Fachkräften der eigenen Tischlerei projektbezogen und in ständig wechselnden Teams zusammen. Diese Projekte zeichnen sich durch Einzelanfertigungen mit einem hohen Anteil an Neuentwicklungen aus. Da es kein »Lernen aus der Serie« gibt, in der Regel auch keine Entwicklungen durch Prototypenbau möglich sind und häufig ein hoher Zeit- und Kostendruck herrscht, ist es wichtig, dass es einen einfachen Zugriff auf das notwendige Wissen gibt.

Das Rad nicht jedes mal neu erfinden

Was schmerzlich fehlte, war die Möglichkeit des gegenseitigen Lernen aus den Erfahrungen der anderen Projekte. Diese sind natürlich schon immer gut dokumentiert worden. Aber in diesem Bereich wird man schnell mit einem Phänomen konfrontiert, das im angelsächsischen Raum unter dem Begriff »Content Silo Trap« seinen Namen bekommen hat (Rockley/Kostur/Manning 2003): Projektdokumente wie Angebote, Kalkulationen, Pläne und Ergebnisprotokolle werden gesammelt und üblicherweise in Dokumentenmanagementsystemen oder Gruppenlaufwerken abgelegt. Der Zugang zu diesen Informationen ist jedoch beschwerlich, ein beiläufiges Profitieren anderer von den dort dokumentierten Erfahrungen ist eher unwahrscheinlich. Auch bei den Deutschen Werkstätten hatte man die Erfahrung gemacht, dass in den einzelnen Projekten mitunter das Rad neu erfunden worden ist. Denn wie es Projekte so an sich haben, kommt es häufig zur Konfrontation mit unvorhersehbaren Problemen, für die entsprechende Lösungen erarbeitet werden müssen. Ähnliche Probleme tauchen in den verschiedenen Projekten immer mal wieder auf. Da die betroffenen Projektteams von den bereits vorhandenen Lösungsansätzen keine Kenntnis haben, müssen sie unter beträchtlichem Aufwand an ihrer eigenen Lösung arbeiten und so das Rad erneut erfinden.

Der Einführungsprozess

Die Geschäftsleitung befand schnell, dass die Einführung eines Unternehmenswikis einen Versuch wert ist. In einem ersten Schritt wurden darum die Rahmenbedingungen für den erfolgreichen Einsatz eines Unternehmenswikis abgesteckt und darauf aufbauend ein Einführungskonzept erarbeitet. Die notwendigen Rahmenbedingungen sind leicht zusammen zu fassen: Die Bedeutung des Wikis für das Unternehmen muss von der Geschäftsführung vorgelebt werden. Die Vorteile des Wikis sowohl für das Unternehmen als auch für die Angestellten müssen klar dargestellt und mögliche Bedenken ernst genommen werden.

Die Verlagerung von Informations- und Arbeitsprozessen in das Wiki muss für die Anwender einen echten Nutzen bieten. Für die Einführung von Wikis in Organisationen hat sich ein überschaubarer dreigliedriger Prozess bewährt, der auch in diesem Projekt angewendet wurde:

Analyse ➠ Konzeption ➠ Realisierung.

Die Analysephase dient dazu, die im Unternehmen bestehenden Informationsprozesse und die vorherrschende Unternehmenskultur mit dem Ziel zu untersuchen, einen erfolgversprechenden Ansatz für den Wikieinsatz zu entwickeln. Die daran anschließende Konzeptionsphase beginnt in der Regel mit der Bildung eines Wiki-Teams, zusammengesetzt aus begeisterten Wiki-Nutzern, die sich die Pflege des Wikis auf die Fahnen geschrieben haben (Wikigärtner) und für Kollegen bei Fragen und Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Das Wiki-Team nimmt eine Inhaltsbestimmung vor, in der festgelegt wird, welche Informationen im Wiki stehen sollen und welche Informationsprozesse in Zukunft dort abgebildet werden sollen. Hat man das abgeschlossen, geht es in die Realisationsphase. Da das Einsatzszenario abgesteckt ist, kann ein passendes Wikisystem ausgewählt, installiert und je nach Bedarf in die unternehmensinterne IT-Systemlandschaft integriert werden. Ein entscheidender Punkt fehlt jetzt noch - die frühe und transparente Einbeziehung sämtlicher Mitarbeiter. Es ist sinnvoll, konsequent den Wiki-Weg einzuschlagen und offen darzulegen, was sich dass Unternehmen von der Wikieinführung verspricht und welchen konkreten Nutzen der Anwender haben wird. Der gesamten Prozess sollte mit Schulungen und Workshop, Statusberichten und Demoinstallationen begleitet werden.

Nachtrag: World Café zum Web 2.0


Ende letzten Jahres hatte ich einen Workshop auf der Veranstaltung durchgeführt (mehr dazu hier). Das Thema war Medienkompetenz im Web 2.0. Die Idee: Gemeinsam mit Weiterbildnern (Trainer, Coaches, Berater, Lehrer …) in einem World Café-Setting die Möglichkeiten des Social Webs für Weiterbildner sowohl in der Wissensvermittlung als auch für die eigene Weiterbildung und Kompetenzentwicklung erkunden.

Das World Café ist eine Form der Gruppenarbeit, in der in einer entspannten, Kaffeehaus-ähnlichen Atmosphäre in Kleingruppen an bestimmten Fragestellungen gearbeitet wird. Für den Workshop habe ich das Konzept ein wenig adaptiert: Anstatt auf Papier zu schreiben, werden die Gedanken, Ideen, Anregungen usw. je Runde entweder in einem Wiki, einem Blog oder einem Twitter-artigen Micro-Blog festgehalten. In den Gruppen haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich an den Rechner zu setzen, anderen bei der Nutzung von Web 2.0-Diensten zuzusehen und sich mit anderen darüber auszutauschen. Diese Form der Zusammenarbeit kommt gerade Web 2.0-unerfahrenen Teilnehmern zu gute, die sich diese Form des Austauschs und der Computernutzung erst noch erschließen wollen.

Kleine Marktübersicht Web 2.0 in Unternehmen


Christiane Schulzki-Haddouti weist zu Recht auf einen lesensenswerten Beitrag von Jörg Wittkewitz hin:

Jörg Wittkewitz, der seit kurzem als Nachfolger von Steffen Büffel für die Blogpiloten redaktionell verantwortlich ist, gibt in einer “Marktübersicht” einen umfangreichen Einblick in Social Software für Unternehmen

Den Open Source-Abschnitt halte ich allerdings für etwas unglücklich. Spürt man da ein leichtes fremdeln? Dabei geht es bei Web 2.0 und Enterprise 2.0 gerade um Open Source-typische Offenheit, vor allem um freie APIs und offene Standards.

Inhalt abgleichen